Ein zielsicherer Schuß

Die letzten Tage waren wirklich voller toller Abenteuer gewesen. Und ich habe dabei einige achtbeinige Wiesenhelden kennen gelernt, die ich noch nie zuvor gesehen - oder auch nur bemerkt hatte. Andererseits, vielleicht habe ich sie auch nur deshalb nicht gesehen, weil ich auf der Suche nach einem anderen Wiesenheld gewesen bin. Wir sind alle so konstruiert, auch Ihr Menschen, dass wir nur einen Teilbereich um uns herum wirklich ganz bewusst wahrnehmen.

Dabei kann ganz leicht das große Ganze verloren gehen. Man sieht sozusagen nur den einen Apfel am Ast, aber den kompletten Baum übersieht man... ui, was war denn das?

Da ist ja eben nur ein paar Zentimeter weiter ein Faden schräg hoch geschossen. Wow, da will wohl jemand in den, am Wiesenreich angrenzenden Baum hoch. Wer das wohl ist?

 

Ein Spinne, aber keine gewöhnliche Spinne. Eine ähnliche habe ich schon mal gesehen, am 30. Mai, als ich dachte sie winke mir zu. Und das war eine Krabbenspinne und sie hatte nach langem Lauern und Warten endlich eine Beute einfangen können. Dennoch die hier sieht etwas anders aus. Nur die beiden vorderen Armpaare hält sie wie ein Armpaar nach vorne gestreckt und sie haben die typische Länge von Krabbenspinnenarme. Aber die Zeichnung auf ihrem Hinterteil erinnert mich irgendwie an eine Kreuzspinne.

 

"Hallo Spinne,

gehörst du tatsächlich

zu den Krabbenspinnen?"

 

"Aber sicher doch. Genauer gesagt zu den Buschkabbenspinnen."

 

"Willst du ein Netz bauen, weil du den Faden so zielsicher in

die Zweige geschossen hast?"

"Nein, nein. So was machen wir Krabbenspinnen nicht. Wir könnten, wenn wir wollten. Doch warum sich mit einem Netzbau abmühen, wenn es auch einfacher geht. Die Kraft, die andere für den Netzbau verschwenden, behalten wir in unserem Körper für Notzeiten - so ähnlich wie die Menschen, wenn sie einen Fettbauch haben. "

 

"Und warum willst du so weit oben jagen?

Hier unten ist es doch auch sehr schön."

"Meine Art fühlt sich nur wohl, wenn sie hoch hinaus klettern kann

und die Welt von sehr weit oben genießen kann. Außerdem

hab ich da oben ein Weibchen entdeckt."

 

"Ach, dann bist du also ein Männchen."

"Ja, gut erkennbar an meinen Kiefertastern direkt an meinem Maul. Bei Männchen sind diese dicker und runder. Zudem sind wir Männchen kleiner als die Weibchen. Außerdem ist mein Vorderteil, auch Prosoma genannt, heller teils rötlicher, als bei den Weibchen bei unserem Stamm.

Ihr Hinterteil, das Opisthosoma, ist ebenfalls anders. Es hat keine so schöne auffällige Musterung und ist eher so hellbraun. "

 

"Bleibt ihr dann als Eltern zusammen, oder ziehst du wieder weiter."

"Bei uns ist es so, dass die Weibchen sich allein um die Kleinen kümmern. Sie passen auf den Kugelkokon auf, indem sich viele Eier befinden,

beinah so wie ein Vogel. Sie sitzen darauf und wenn ein Freßfeind eines der Kleinen stehlen will, kämpfen sie. Während dieser Zeit beginnen sich unsere Spinnenmütter optisch zu verändern. Von einer hellen Spinne zu einer dunkelhäutigen Spinne. Während der ganzen Zeit nehmen sie keine Nahrung zu sich. Wenn die Kleinen endlich schlüpfen, beißt sie mit letzter Kraft den Kokon auf und stirbt. Auf diese Weise hat dann unser Nachwuchs auch gleich etwas zu fressen."

 

Ui, dann möchte ich bei diesem Achtbeiner-Stamm aber kein Weibchen sein. Soviel Aufopferung wäre nichts für mich.

Doch andererseits eine Mutter, die wirklich alles für ihren Nachwuchs tut und alles riskiert, damit ihre Kleinen überleben, das ist schon eine sehr beachtliche Tat! Eine wahrlich grenzenlose Mutterliebe.

 

"So meine Auserwählte wartet dort oben in den Zweigen. Ich muss jetzt los und sie mit meinem Trommel-Konzert davon überzeugen, dass ich der richtige Spinnenvater für ihren

Nachwuchs bin!"

Bei der Endabstimmung für 2017 im Januar 2018 wurde meine Wiesenhelden-Webseite 

auf Platz 1 gewählt! 

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!