Da bleibt einem der Atem weg


Als ich heute so im Gebüsch unterwegs war, schön trocken und geschützt unter dem grünen Blätterdach. Ist mir eine Brennessel-pflanze besonders aufgefallen. Sie war von oben her fast komplett in ein Spinnwebnetz eingeschlossen. Und ich, neugierig wie ich bin, bin direkt darauf zu gekrochen. Denn wie Ihr wisst, bin ich ja auf Spinnen-Exkursion. Das heißt ich will so viele Achtbeiner wie möglich interviewen. Selbst, wenn das heißt, dass ich da manchmal an meine Grenzen gehen muss!

Und heute Mittag da hatte ich das Gefühl, diese Grenze sogar überschritten zu haben. Ach herrjemine! Mir blieb beinah der Atem weg!

Denn je näher ich dem Stauch kam, umso besser konnte ich sehen. Und da war mehr, als nur ein Spinnennetz. Oh, mein Herzchen pocht immer noch ganz laut, wenn ich daran denke.

Überall in diesem Netz hingen kleine schwarze Raupen. Sie waren ganz leblos und leer… im ersten Moment war ich reglos stehen geblieben und hab erst mal nach Luft geschnappt. Und ich dachte: Was ist denn dass für ein Spinnenmeister, der so viele kleine Raupen eingefangen und ausgesaugt hat!

Ich munterte mich selbst auf und sagte: „Nur die Ruhe, du gehörst schließlich zu den Ritterfaltern und du kannst deinen Feind notfalls mit deiner Nackengabel umstinken!“

Mit immer langsamerem Tempo kam ich weiter. Und dann endlich war ich dem Netz ganz nah…. wie mir schauderte!

Doch da, ich konnte es gar nicht glauben, hörte ich ganz deutlich ein Lachen und Mampfen. Es klang nach einem großen Festgelager. Nur, dass da nicht nur eine Stimme war, sondern mehrere Dutzend. Also drehte ich meinen Kopf. Und nur wenige Zentimeter entfernt von den leeren Raupenhüllen, da spielten und knaberten viele schwarze Raupen an den Blättern der Brennessel.

 

„Wie könnt Ihr nur feiern und fressen, wenn so viele Eurer Brüder und Schwester von einer Spinne eingefangen worden sind!“ rief ich aus.

„Spinne?“ riefen da die Raupen wie aus einem Mund.

„Nein, hier ist keine Spinne und niemand wurde eingefangen.

Wir sind noch komplett vollzählig!“

„Aber, diese Raupenhüllen!“

„Sind eben nichts anderes wie Raupenhüllen. Hüllen, die wir angestreift haben, weil sie uns zu eng geworden sind.“

 

Damit war wieder Ruhe und nur das nagen der Raupen war zu hören.

Schlagartig wurde mir klar, ja genau! Jede Raupe wächst und dann wird ihre Hülle irgendwann zu klein. Die alte Hülle wird abgestreift und dann die darunter liegende etwas aufgepumpt und aushärten gelassen. Und während man dann einfach hungrig weiter frisst, bleibt die alte Hülle zurück. Also, dass ich daran nicht gedacht hatte… nunja, wenn man auf den Spuren der Achtbeiner ist und so ein großes Netz sieht, dann denkt man eben nicht mehr daran, dass eine Raupe so stark wächst, dass sie viele Hüllen abstreifen muss… und die müssen ja irgendwo lagern!

Natürlich habe ich die Raupen, dann gleich genauer befragt. Und sie gehören zum Stamm der Tagpfauenaugen. Ihr Gelege ist immer sehr groß bis zu 200 Eier legt das Weibchen auf der Futterpflanze ab. Denn sie sind sehr gesellige Tiere und wollen nicht allein sein.

„Wir schlüpfen nach 2 bis 3 Wochen aus unseren Eiern und sind dann grün weißlich mit schwarzem Kopf und knapp 3 Millimeter groß. Nach unserer ersten Häutung sind wir graubraun und beginnen damit unser Gespinnst anzulegen. Jeder wirkt dabei mit. Dieses Netz, unter dem wir uns verstecken, schützt uns vor Fressfeinden. Danach häuten wir uns mehrmals und sind von unserem Aussehen her schwarz wie ein Sternenhimmel – mit ebensolchen weißen Punkten.

Die leeren Hüllen streifen wir dann über unserem Spinnennetz ab.“

 

Wenn Ihr mal den ganzen Zyklus sehen wollt, dann schaut doch hier mal rein:

www.schmetterlingeinwildauundberlin.de/raupen%20tagpfauenauge.htm

Raupen sind ganz unterschiedlich. Manche sind Einzelgänger, andere sind gern mal zu zweit oder zu fünft. Und wieder andere können gar nicht allein sein. Sie müssen immer einen Raupenbruder oder Schwester neben sich spüren. Das gibt ihnen Sicherheit.

Die Tagpfauenaugen-Raupen sind zudem auch sehr schnell unterwegs. Ich dagegen, die zu den Ritterfaltern-Raupen gehöre, bin da eher gemächlich… naja, die haben ja auch keine solch tolle Stinkegabel in ihrem Nacken wie ich!

 

Allerdings gibt es für die Raupen des Tagpfauenauges ein Problem. Sie vertragen den Blütenstaub von genmani-puliertem Mais nicht. Wenn ihr Eigelege also in der Nähe eines solchen Feldes abgelegt wird, kann es sein, dass die Raupen, diesen nicht vertragen und sterben!

Weitere Infos www.bund.de

„Auch die Raupen vom Kleinen Fuchs haben die Brennnessel zum Fressen gern. Sie bauen wie wir ein Gespinst aus Seide, um sich zu schützen. Solange sie noch Jungraupen sind, sehen sie uns sehr ähnlich.

Erst wenn sie größer sind, erkennt man den Unterschied.

Wir sind schwarz wie der Sternen-himmel und die anderen schwarz-gelb gestreift!“

Mit 81,71 Prozent wurde meine

Wiesenhelden-Webseite auf Platz 1 gewählt!

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!