Was sehen meine Augen da?

Als ich heute so über den Klee und die Brennnesseln gekrabbelt bin, hab ich aus der Ferne eine Raupe beobachtet, wie sie nach oben zu einem großen Brennnesselblatt gekrochen ist und mit dem Fressen angefangen hat.

Bis ich nur wenige Körperlängen von ihr angekommen war, hat ne Weile gedauert – bin schließlich keine Rennraupe. Als ich nur noch 4 Körperlängen entfernt war, hab ich sie erst mal ne Weile beobachtet, doch dann erschrak ich. Denn die Raupe knabberte emsig an dem Blatt, auf dem ein 8-Bein saß, genauer ein Weberknecht oder auch Schneider, wie sie manchmal genannt werden. Einen solchen hatte ich am 28.Juni interviewt.

Ich saß erst mal nur da und konnte es nicht glauben. Da kabberte eine Raupe seelenruhig hinter einem 8-Bein und näherte sich dabei immer mehr diesem Jäger.

Ich gehöre zwar zu den sogenannten wehrhaften Raupen, aber ich würde mich das niemals wagen. Nicht einmal bei meinem Interview, hab ich mich so nah ran gewagt. Jeder weiß doch, dass Spinnentiere uns Insekten zum Fressen gern haben.

Aber diese Raupe juckte das gar nicht. Sie frass sich immer weiter, bis sie nur eine Kopflänge vom Körper des Tierchens entfernt war. Ich schluckte und wollte schreien, aber mein Mäulchen war so trocken, dass gar nichts ging. Und dann?

Dann hat die Raupe gelacht, sich kurzerhand einige Blätterstockwerke abgeseilt und sich an ein anderes Blatt heran gemacht. Der Weberknecht unterdessen, saß weiterhin ungerührt da.

 

Also hab ich mich zu dieser Raupe aufgemacht und wollte mehr wissen:

„Was bist denn du für eine Raupe,

dass du dich so nah an ein Achtbein heran wagst?!“

„Du meinst das Langbein?“

„Ganz, genau! Einer aus seinem Stamm hat mir nämlich mal erzählt, dass er mit seinen langen Armen sogar peitschenartig ein Insekt im Flug fangen könnte.“

„Naja,“ meinte da die Raupe gedehnt, „eigentlich sind diese Spinnnentierchen mehr die Resteverwerter. Tote Insekten frisst er

oder auch kleinere Insekten, die er sozusagen erjagt hat,

aber solch eine große Raupe wie mich oder dich, würde er nicht anrühren… womöglich wollte er dich auch einfach

nur mal kurz erschrecken.

Und was deine andere Frage betrifft.

Ich gehöre zur Familie der C-Falter.

Vor nunmehr fast 6 Wochen bin ich aus meinem Ei geschlüpft.

Aus einem von knapp 200 Eiern.“

 

„Aha, aber wieso knabberst du dann hier so allein?“

„Weil wir eher Einzelgänger sind. Nach unserer Geburt sucht sich jeder

den Ecke der Brennnessel aus, die ihm am besten gefällt und

dann geht das Fressen und Wachsen los.“

„Und wie kommt es, dass du so ruhig bist? Kannst du dich irgendwie verteidigen?“

„Nein, aber das brauche ich auch nicht. Denn falls mich mal ein Fressfeind erspät, sieht es für ihn aus, als hänge da nur ein Stückchen Vogelkot an einem Blatt. Du siehst, ich bin so gut getarnt, dass ich im Grunde nichts zu befürchten habe.“

 

 

 

 

 

Wenn Ihr noch mehr über die Raupen und das Aussehen eines C-Falters wissen wollt, dann schaut doch mal hier rein:

www.lepiforum.de/lepiwiki.pl?Polygonia_C-Album

 

 

Bei der Endabstimmung für 2017 im Januar 2018 wurde meine Wiesenhelden-Webseite 

auf Platz 1 gewählt! 

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!