Ganz ohne Schrecken geht es nicht

Ui, vorhin bin ich vielleicht erschrocken!

Da krabbele ich so gemütlich durchs Gras und stoße dabei leicht gegen einen Grashalm, als da plötzlich und unerwartet, sich ein Schatten nach oben katapultiert und nicht weit von mir entfernt auf dem Boden landet. Ich hab natürlich meine Stinkegabel im Nacken ausgefahren, für den Fall, dass sich da gleich einer meiner Fressfeinde auf mich stürzen will. Und so hab ich erst mal kräftig abgestunken… das Tierchen, unweit vor mir ist Sekunden später umgesunken.

Erst jetzt war mir aufgefallen, dass da ein Grashüpfer aufgesprungen war, vermutlich hat er ebenfalls instinktiv reagiert, als er meine Erschütterung an seinem Grashalm gespürt hatte… nunja, da hieß es erst mal mich wieder zu beruhigen und die Stinkegabel wieder einzu-fahren.

So langsam bin ich wieder ganz ruhig, nur der Grashüpfer sieht noch ziemlich mitgenommen aus. Naja, dann nutze ich die Gelegenheit und interviewe ihn mal, bevor er wieder auf und davon springt! Vor allem einer von dieser Sorte hier, er ist nicht grün, sondern braun. So braun, wie der Stein auf den er vorhin drauf gesprungen ist… man könnte ihn auch für ein zerknittertes, braunes Blatt halten, das vom Baum gefallen ist.

 

„Du bist ja auf den Steinen recht gut getarnt, aber

warum hast du im Gras gesessen und wieso bist du nicht grün?“

„Warum soll denn jeder Grashüpfer grün sein? Nur, weil er ein Hüpfer im Gras ist?! So etwas nennt sich Vorurteil! - Nein, in unsrer Familie

gibt es ganz unterschiedliche Hüpfer. Da gibt’s die Grünen, die Bunten

und die Braunen, obwohl, nicht jeder Stamm auch diese Erwartungen erfüllt. Bei den Grünen Grashüpfern sind manche grün und rosa,

selbst bei uns Braunen sind einige unsere Weibchen

rötlich bis rosafarben am Rücken, an den Flügeln oder Kopf.“

„Wow, bei uns Schwalbenschwanzraupen sind alle gleich gefärbt.

Wir tragen alle sozusagen die gleiche Uniform. Sie dient dazu unsere Fressfeinde abzuschrecken.“

„Tja, das unterscheidet uns. Wir wollen nicht abschrecken, wir wollen nur unsichtbar sein für alle, die uns vielleicht fressen wollen. Und da die Natur überall unterschiedlich aussieht, mal sandig, felsig, mal grüne Pflanzen oder bunte Blumen, ist jeder von uns so angepasst, dass er auf seinem Lieblingsplatz gut getarnt ist. Ab und an wandern wir natürlich…

auf der Suche nach einem Weibchen.

Denn für sie gehen wir so manches Risiko ein.“

 

„Hm, aber ihr zählt doch zu den Heuschrecken. Genauer gesagt ihr Grashüpfer gehört zu den Kurzfühler-Schrecken. Ich dachte immer das hat was mit erschrecken zu tun, so wie ich vor einigen Minuten erschrocken bin,

als du da so plötzlich hoch gehüpft bist.“

„Nein, damit hat unser Namen gar nichts zu tun! Im Laufe der Zeit hat sich

die Sprache der Menschen verändert. Vor einigen Jahrhunderten wurde Althochdeutsch gesprochen, damals nannte man alles, was aufspringen

und springen kann: schrecken. Somit müssten wir eigentlich

in der heutigen Zeit Heuspringer genannt werden.“

„Du hast ja recht lange Hinterbeine. Den anderen, denen ich die letzten Tage begegnet bin, haben dagegen sehr kleine Beine, dennoch waren sie ausgezeichnete Springer. Die Beine der Springspinne arbeiten wie ein hydraulisches System, die Beine der Zikade dagegen mehr über die Speicherung ihrer Muskelkraft in ihrem Außenskelett.

Und wie funktioniert bei dir das Springen?"

„Wir werden zwar Springer genannt, aber im Größenverhältnis gesehen, sind wir keine so guten Springer wie die Springspinnen oder gar die Zikaden. Dennoch sind viele von uns recht talentiert. Das verdanken wir unseren langen Beinen und der besonderen Anordnung unserer Muskeln. Genau genommen hat das etwas mit Pysik zu tun, den sogenannten Hebelgesetzen. Wenn die Menschen ihre Arme bewegen wollen, arbeiten dabei auf der einen Seite die Streckermuskeln und auf der anderen Seite die Beugermuskeln. Je nachdem ob der Arm gebeugt oder gestreckt wird, zieht sich der eine Muskel zusammen und der andere wird gedehnt. Bei uns dagegen können sogar beide Muskelarten gleichzeitig erregt werden, was eine explosionsartige Beschleinigung zur Folge hat.

Es gibt aber auch einige Arten, die nutzen die Mischung zwischen Muskel- und Hebelkraft und der Speicherung in ihrem Außenskelett,

so wie das die Zikaden machen.“

 

Na, dann liebe Menschenkinder, geht mit offenen Augen durch die Welt, ganz ohne Vorurteil. Dann werdet Ihr auch niemals enttäuscht sein!

Bis Morgen Eure Alby

 

Übrigens: So wie es Kurzfühler-Schrecken gibt, gibt es auch Langfühler-schrecken. Diese haben wie ihr Name schon sagt, viel längere Fühler. Manche sind sogar drei bis viermal so lang wie ihre Körper, oder noch länger!

 

Hier findet Ihr weitere Infos und Fotos zu den Heuschrecken:

www.deutschlands-natur.de/tierarten/heuschrecken/

 

 

Mit 81,71 Prozent wurde meine

Wiesenhelden-Webseite auf Platz 1 gewählt!

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!