O, du süßer Honigtau

Ui… was ist denn da auf dem Blatt los? Kämpft da etwa eine Mücke gegen eine Spinne? Auf und nieder, immer wieder gehen die Beine der Mücke. Ach, herrjemine… ob ich etwas tun sollte?

Aber ich als Raupe kann da eh nicht viel tun. Und sich unüberlegt auf ein solch gefährliches Abenteuer einzulassen, nein das sollte ich nicht tun… obwohl, was ist da los?

Ich kann nur die Mücke erkennen, sonst niemanden. Auch keine Spinne!

Was hat das zu bedeuten? Warum um alles in der Welt purzelt die so aufgeregt übers Blatt?

Dann macht sie eine Pause und hängt mit ihrem Mäulchen direkt am Blatt, als wollte sie es küssen? -

Ist das etwa eine der Zuckmücke, die da eine Art Balztanz oder so was aufführt?

Oder ist sie etwa krank, vielleicht sogar Ansteckungsgefahr?

Mal ganz vorsichtig nähern und nachfragen, was da mit ihr los ist.

„Schleck, schmatz… nein, ich bin keine Zuckmücke. Ich bin eine Pilzmücke. Und ich hab gerade einen tollen Schatz entdeckt. Leckeren Honigtau.

Die Schildlaus, die da in der Mitte des Blattes sitzt hat nämlich eine gute Ladung gerade ausgeworfen und sie dies so über das ganze Blatt verteilt.

Und dieser Zucker darin, der macht mich richtig wusselig!“

 

Oha, dass kenn' ich von der Deutschen Wespe her. Wenn die bei Euch Menschen unterwegs ist und zuviel von den süßen Schleckereien zu fressen bekommt, ist sie auch völlig neben der Spur. Allerdings neigt sie dann dazu aggressiv zu werden – nach dem Motte: das ist mein Futter und ich teile nicht.

Bei der Mücke hier wirkt sich das etwas anders aus, anscheinend wird sie nur hyperaktiv bei so viel Süße.

 

„Aber warum musst du dich denn so weit runterbeugen,

wenn du schlecken willst?“

Weil bei unserem Stamm als erwachsene Mücke die Mundwerkzeuge zurück gebildet sind. Wenn wir einen solch langen Rüssel wie die Stechmücken hätten, bräuchte ich nur auf meinem Hintern zu sitzen,

hin und her zu rutschen und den Honigtauch wie

über ein Saugrohr aufzusaugen.“

 

„A propo Stechmücke… lebt euer Nachwuchs auch im Wasser?“

„Nein, die können nicht schwimmen. Wir legen die Eier auf dem Boden ab, immer in der Nähe von Pilzfäden. Allerdings sollte es immer gut feucht und schattig sein, damit ihre empfindlichen Körper nicht austrocknen. Unsere Kleinen ernähren sich hauptsächlich von den Pilzen! Einige mögen aber auch verrottendes Pflanzenmaterial, ganz so wie ein Regenwurm. Manche aus unserer Familie sind sogar Jäger, die klebrige Fäden weben – die einen aus Schleim, die anderen aus Seide.“

 

„Ui – wie eine Spinne?“

„Ja, so ähnlich. Allerdings sind es Fangfäden, die ds Gift schon in sich tragen. Gerät ein Beutetier dortrein, verselbstständig sich der Faden sozusagen durch die Bewegungen des Tierchens und so wird dieses vollkommen in den Faden gewickelt und entsprechend betäubt. Und schon ist das Larvenfressen für die Kleinen fertig! Ganz egal, ob es sich dabei um ein Insekt, eine Spinne oder einen anderen Gliederfüsser handelt.“

 

„Seid ihr eigentlich immer so zackig unterwegs?“

„Ja, bewegen tun wir uns gerne. Vor allem, wenn wir unsere Flügel erhalten haben. Und, wenn das Frühjahr begonnen hat gibt es meist kein halten mehr. Dann tanzen die Männchen in dichten Schwärmen über dem Wasser herum, und wir Weibchen schließen uns dann an!

Und die Jungiere von einigen Stämmen sind sogar so Energie geladen, dass man sie im Dunkeln leuchten sehen kann.“

 

„Echt? Der Wahnsinn, wie ein Leuchtwürmchen?“

„Ja, ihnen würde der Name gut stehen. Denn sie sind wirklich Würmer. Die anderen, die die Menschen so benannt haben sind ja eigentlich Käfer. Und sie können erst leuchten, wenn sie ausgewachsenen sind.“

 

„Warum leuchten und blinken die Kleinen denn? Suchen die denn schon als Kinder Kontakt zueinander, wie das die Glühwürmchen tun?“

„Nein, das hat einen viel gewichtigeren Grund. Sie locken nämlich damit die Beute in ihre Klebefäden. Allerdings können sie dadurch aber

auch von Fressfeinden besser erkannt werden.

Hat alles so seine Vor- und Nachteile!“

 

Wahnsinn… da sind die Insekten den Spinnen gar nicht mal so unähnlich… jeder hat so seine eigene Taktik entwickelt. Und ich glaube ich entwickle jetzt mal ne Urlaubs-Taktik.

 

Denn auch wenn Linus ständig Angst davor hat, es könnte regnen oder stürmen, so ist er die nächsten Wochen dran, aus dem Wiesenreich zu berichten. Und notfalls kann ja auch immer Marina Lauffein, die Schnecke mal einspringen.

Ich wünsche Euch eine gute Zeit, bis dann!

 

Übrigens: Die Gattung der Pilzmücken ist schon sehr alt, die ersten Exemplare, die zusammen mit den Dinosauriern gelebt haben, wurden diese in Bernstein eingeschlossen – in Baumharz, dass im Laufe der Zeit zu Stein umgewandelt wurde.

 

Wenn Ihr mal sehen wollt, wie die eine oder andere Mücken-Larve so aussieht und wie sie sich unterscheiden, dann schaut doch mal hier vorbei: www.focusnatura.at/dipteren-larven/

 

Außerdem haben die Forscher in Australien eine Pilz-Mückenlarve entdeckt, die eine perfekt Uhr in ihrem Inneren haben könnte:

www.scienceticker.info/2008/08/26/leuchtlarven-im-anti-takt/

Bei der Endabstimmung für 2017 im Januar 2018 wurde meine Wiesenhelden-Webseite 

auf Platz 1 gewählt! 

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!