Die Kraft des Genießens!

 

Ach, endlich scheint der Sommer zurück gekommen zu sein. Bei dem vielen Regen und teils stürmischen Wetter hatte ich, der ich doch ein Schmetterling bin, schon befürchtet, kaum herum fliegen zu können.

 

 

Denn im Gegensatz zu den vielen anderen Fliegern im Wiesenreich, müssen wir Schmetterlinge sehr gut auf unsere Flügel aufpassen. Mit unseren Flügeln verhält es sich so ähnlich wie mit den Ziegeldächern von Euren Häusern. Für uns bedeutet Regen das gleiche, als wenn Euer Haus von einem fürchterlichen Sturm heimgesucht wird. Die Regentropfen schlagen dann nämlich unsere Schuppen von den Flügeln, so wie der Sturm die Ziegel von Eurem Dach. Tja, und wenn kaum noch Ziegel beziehungsweise Schuppen mehr da sind, stehen wir im Regen. Ihr habt dann Euer Zuhause verloren und wir Schmetterlinge können nicht mehr Fliegen.

Dann fühlen wir uns hilflos und verloren – das ist übrigens auch der Grund, weshalb Ihr unsere Flügel nicht anfassen solltet. Berührungen, ob von Händen oder durch den Regen zielen nur darauf hinaus, dass wir unsere Flug-Schuppen verlieren.

Zum Glück sind die letzten Tage endlich wieder von wunderschönem Sonnenwetter beglückt gewesen. Und endlich konnte ich wieder nach Herzenslust herum fliegen, anstatt mich irgendwo unter Zweigen zu verstecken.

Ich glaube auch heute werde ich den Tag noch etwas dazu nutzen, um meine Flügel so viel wie möglich zu bewegen und mich teils von den sanften Winden dahin treiben lassen. Einfach das wunderschöne Wetter genießen. Ich war lange genug im Dunkeln gehockt und konnte mich kaum rühren – da frag ich ich doch, wie haltet Ihr Menschenkinder das eigentlich aus?

Ihr seid so oft in den Häusern und kaum noch draußen in der Natur. Dabei ist diese Freiheit so wunderschön. Die herrlichen Düfte, die wunderschönen Melodien und das harmonische Schwingen aller Pflanzen, die sich über das Licht und die Wärme der Sonne freuen!

Habt Ihr die Natur eigentlich auch schon mal so wie ich erlebt? Kennt Ihr das sich Freuen über jede Bewegung, das lustige Spielen mit Freunden? - Wie die Kraft in den Körper strömt und man glaubt unbesiegbar zu sein?

Obwohl... bis auf die Augenblicke, an denen man erschrickt und einem ein merkwürdiger Schmerz in den Bauch fährt… und ich muss gestehen, wenn am Himmel eine graue Wolke vorüber gezogen ist, ging es mir genauso – ich hatte etwas Angst bekommen.

Daher habe ich mich auch vorm Berichterstatten gedrückt und Alby von Tanzfroh hatte viel länger als sonst aus dem Wiesenreich zu berichten gehabt… wobei sie allerdings einerseits auch recht froh darüber war. Denn sie wollte ja so viel Wissen wie möglich über die Spinnen und ihre Fähigkeiten erfahren – ein sehr gefährliches und spannendes Unterfangen, wenn Ihr mich fragt.

Ein Schmetterling würde sich das nicht wagen… bis auf so Kleinigkeiten: Mal ein einfaches Spinnennetz zu durchfliegen und es somit für andere Flieger unschädlich zu machen. Ja, manchmal bauen diese 8-Beiner ihre Netze gerade dort, wo viel Flugverkehr ist. Ein großes Insekt wie ich oder auch eine Wespe, kann dann mit der Kraft seiner Flügel das Netz beim Durchfliegen zerreißen. Oder auch, wenn wir aus versehen mal hinein geflogen sind.

Denn auch, wenn wir sehr achtsam herum fliegen, kann es vorkommen, dass wir vor entzücken den wunderschönen Duftwellen und Duftwolken folgen und so gar nicht mehr die Spinnennetze wahrnehmen können. Natürlich dürfen wir dann nicht vor Schreck erstarren und uns hängen lassen, wenn wir in die Falle gegangen sind. Dann wären wir direkt das nächtste leckere Mahl für ein 8-Bein. Nein, dann gilt es alle Kraft in die Flügel zu leiten und so stark wie möglich zu flattern.

Ich glaub bei Euch Menschen, die Ihr mehr mit Euren Ohren und Stimmen arbeitet, wäre das wohl das Gleiche wie emsiges Schreien, sobald man sich in Gefahr glaubt.

Allerdings solltet Ihr nur Schreien und wie verrückt Flattern, wenn Ihr Angst habt. Wenn Ihr das macht, nur weil Ihr einen anderen zu etwas zwingen oder ihn nur erschrecken wollt, dann kann es sein, dass Ihr Eure Kräfte an der falschen Stelle einsetzt. Und irgendwann werdet Ihr dann nicht mehr Ernst genommen. Das sind solche Momente, an denen Eure Seele dann die Flugschuppen verlieren kann und Ihr Euch gar wie ein Schmetterling im Regen fühlt.

Blüte vom kriechenden Hahnenfuß
Blüte vom kriechenden Hahnenfuß

Wie ist das bei Euch?

 

Wann fühlt Ihr Euch so stark wie eine Blume, die gerade erblüht ist?

 

Habt Ihr schon mal erlebt, dass Ihr Euch gefürchtet habt, aber dennoch in Eurem Inneren eine starke Kraft gefühlt habt?

 

Die eigenen Gefühle zu verstehen und sie auch anderen gegenüber zu zeigen, trägt in sich eine Menge Energie!

Wer sich fürchtet, fühlt sich nackt und allein – es fehlt der Schutz, die wohltuenden Blütenblätter, die Sicherheit geben können.

Aber auch wenn wir wütend sind, kann es sein, dass wir uns im Grunde nur allein gelassen fühlen.

Ob Angst oder Wut – es sind wichtige Gefühle, die wir fühlen dürfen, denn darin verbirgt sich wie bei einer Blume, die ihre Blütenblätter verloren hat, die Kraft für ein neues Leben, eine neue Sichtweise…

 

Wichtig dabei ist allerdings, gute Wurzeln und guten Erdboden zu haben. Das heißt Ihr braucht Menschen, bei denen Ihr Euch wirklich gut und sicher fühlt. Und das können Eure Eltern sein, aber auch Euer(e) Lehrer(in) oder Erzieher(in).

 

Na, dann bis Morgen

Euer Linus Lieblich

Bei der Endabstimmung für 2017 im Januar 2018 wurde meine Wiesenhelden-Webseite 

auf Platz 1 gewählt! 

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!