Verdauung mal anders

Viele Früchte sind schon geerntet worden. Nur noch wenige hängen vereinzelt an den Büschen und Zweigen. Im Moment bewege ich mich in einem dichten Zweigengewirr von wilden Weinreben herum. Die Äste ähneln riesigen Regenwürmern, finde ich. Sie sind zudem sehr rau, was es mir leichter macht mich hier fortzubewegen. Denn neben meinen Hautsegmenten, die ich zum Bewegen dehnen und zusammen ziehen kann, besitze ich da auch noch einige winzige Härchen, die mir dabei helfen.

Und ich muss schon sagen, die Welt sich mal von einem höheren Punkt aus anzuschauen, hat wirklich was! Ich muss nur darauf achten, immer gut von den Blättern verdeckt zu werden, damit mich kein Vogel sieht und mich als leckeren Happen aufpickt.

Hm… ich muss schon sagen, hier duftet es auch gut. Da müssen wohl noch Trauben hängen, die sehr reif sind. Mal dem Geruch hinterher, vielleicht sehe ich, welcher Wiesenheld sich wohl für diese Leckerei interessiert.

Oho! Das ist ja ein Asseltierchen! Ich hätte da eher einen Schmetterling wie den Admiralfalter erwartet. Denn die mögen gerne den Saft von überreifen Früchten.

 

„Na, so was Kollege, wieso bist du nicht damit beschäftigt

Erde und verfaulende Pflanzenteile zu fressen?“

„Abwechlung auf dem Speiseplan ist sehr schön. Ob es Spinneneier sind, Kadaver oder Kot… und jeder mag doch mal was süßes Naschen, oder?“

„Also ein Regenwurm wie ich, bleibt da lieber bei seiner normalen Kost. Experimente mag ich weniger. Aber ihr mögt ja auch Wasser…

eure Vorfahren kamen ja sogar aus dem Wasser.“

„Und unser Nachwuchs wird in einem Wasserbehältnis an unserem Unterbauch in Form von Eiern ausgebrütet. Selbst die Atmung geht

über ein ähnliches System, damit wir ausreichend Sauerstoff

aufnehmen können.“

„Ja, ich weiß. Ihr habt so etwas wie einen Brutbeutel.

Aber wie viele Beinpaar habt ihr denn zur Fortbewegung?“

„Sieben an der Zahl, wobei am letzten Pärchen unsere Kiemen sitzen.

Tja, wir sind eben Krebstiere und keine Insekten.“

„Dann habt ihr wohl auch so etwas wie Kiefer und könnt

auch was festeres Fressen als wir Regenwürmer.“

Ja, wir haben kräftige Mundwerkzeuge. Die brauchen wir vor allem, wenn wir tote Insekten fressen. Denn der Chitinpanzer ist schon ziemlich hart.“

 

„Was ich schon immer mal wissen wollte.

Wieso fresst ihr eigentlich sogar euren eigenen Kot?“

„Das ist so ähnlich wie bei dem Säugetier: Hase. Beim ersten Verdauungs-Durchgang wird die Nahrung klein gemacht, bei den weiteren

Durchgängen wird diese noch weiter zerteilt so dass

wir auch wirklich die Nährstoffe aufnehmen können.“

 

Ich verstehe, es braucht einen langen Verdauungstunnel, um die Nahrung entsprechend zu verarbeiten. Das ist genauso wie bei Euch Menschen: Ihr müsst zwar nicht euren Kot fressen, dafür habt Ihr einen sehr langen Dünndarm und kleine Helfer im Dickdarm. Nur auf diese Weise könnt Ihr ihre Nahrung wirklich verwerten.

Dann ein Hoch auf alle kleinen Helfer! Vornehmlich auf die Bakterien und Pilze in eurem Dickdarm, die Euch wie wir Wiesenhelden ne Menge Arbeit abnehmen, ohne dass Ihr sie wirklich bemerkt...

Euer Balduin 

 

Mit 81,71 Prozent wurde meine

Wiesenhelden-Webseite auf Platz 1 gewählt!

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!