Uralt

Irgendwie scheine ich diese Woche kein Glück zu haben, eine weitere Flechtenart zu finden. Eigentlich schade… huch, was ist mit diesem Stein hier los? Das fühlt sich merkwürdig an.

 

„Hallo Stein, bist du etwa krank. Ich kann so etwas wie Pusteln an dir erkennen.“

Oh, ein vielstimmiges Lachen… anscheinend muss ich immer Mal wieder sehr lustige Dinge sagen… und das amüsiert hier einige Bewohner.

 

„Der Stein wird dir keine Antwort geben, Regenwurm. Und diese „Pusteln“ sind Lebewesen, die in und auf diesem Stein leben. Wir sind mehrere Lebewesen, und gehören zu den Flechten. Wir sind eine Ehe eingegangen zwischen Pilz und Alge und so zu einem einzigen Ich geworden.“

 

„Endlich! Ich bin schon länger auf der Suche nach einer weiteren Flechtenart. Strauchflechten und Blattflechten hab ich bereits kennen gelernt.

Zu welcher Art gehört ihr?“

„Wir sind Krustenflechten. Und unter den Flechtenarten schon was besonders. Denn im Grunde verbinden wir uns regelrecht mit dem Untergrund, also dem Stein hier. Die anderen liegen im Grunde nur oben auf und können so leicht entfernt werden.“

 

„Dann kann man euch nicht so einfach vom Stein entfernen?“

„Nein, da müsste der Stein schon abgeschliffen werden, bis kein Teilstück von uns mehr übrig ist.“

 

Hm, wenn man Flechten mit Textilien von Euch Menschen vergleicht, dann wäre eine der üblichen Flechte, so etwas wie ein Aufkleber, der auf den Stoff geklebt wird. Aber eine Krustenflechte ist dagegen eher so etwas wie eine Stickerei, die auf einen Pullover gemacht wurde… sehr interessant.

 

„Wie alt könnt ihr denn werden?“

„Wir Flechten können durchaus mehrere Hundert Jahre alt werden, die Landkartenflechte sogar bis zu 4500 Jahre. Zudem gibt es uns Flechten schon sehr lange auf der Erde. So knapp 400 Millionen Jahre!“

 

„Wow! Das ist ja echt der Wahnsinn! - Und wie alt bist du?“

„Och, so knapp 100 Jahre.“

 

„Dafür bist du recht klein, nicht mal ganz 2 cm im Durchmesser!“

 

„Nun Flechten wachsen sehr, sehr langsam. Blattflechten wachsen so knapp einen Zentimeter pro Jahr. Und wir Krustenflechten sogar nur 0,2 Millimeter, manchmal auch weniger!“

 

„Das heißt im Grunde könntet ihr ewig weiter wachsen?“

„Ja, so lange wir leben! Und das können durchaus

weit über 1000 Jahre sein.“

 

Hm, wie groß wäre die Flechte wohl dann? (20cm)

 

„Was für wichtige Talente habt ihr Flechten denn so?“

„Nun, wir sind gut darin, eine Art Erdboden aus Stein zu erzeugen.

Aber einige Flechtenarten können sogar Schwermetalle und eisenhaltige Schlacken umwandeln. Sogar uranhaltiges Gestein und radioaktives

Metall kann so von uns verändert werden, dass es für den

Menschen nicht mehr gefährlich ist.“

 

„Wie macht ihr das?“

„Im Grunde funktioniert das so ähnlich, wie die Sonnenstrahlenabsortion beim Menschen. In der Haut hat der Mensch das Pigment Melanin. Je mehr er in die Sonne geht, desto mehr von diesem braunen Farbstoff wird auf der Haut erzeugt. Und dieser Farbstoff schluckt im Grunde die Sonnenstrahlen und ist in der Lage diese umzuwandeln.“

 

Wenn Ihr mehr über Flechten und Co erfahren wollt. Auf dieser Webseite findet Ihr tolle Großaufnahmen von diesen Lebewesen.

www.digital-nature.de/pflanzenwelt/flechten/flechten.html

 

Die Mauerflechte ist sehr widerstandsfähig.

Sie wächst gerne auf Kalkgestein, Silkatgestein oder auf Grabsteinen und Mauerkronen sowie Wasch-beton und Ziegeln.

Es kommt sogar vor, dass man sie auf Asphalt findet – jedoch sehr selten auch auf Holz.

 

TIPP: 

Solange eine Flechte auf einem Stein oder sonstigem Untergrund unbehelligt wachsen darf, schützt sie im Grunde mit ihrer Gegenwart den Stein – ähnlich wie eine Lackschicht ein Stück Holz oder ein gemaltes Bild. Doch sobald sie entfernt wird, kommt die Flechtensäure zum Tragen und es setzt eine sehr starke Verwitterung ein.

Daher wäre es eigentlich besser, die Flechte auf den Steinen zu belassen, als sie mit aller Macht weg zu bekommen!

Bei der Endabstimmung für 2017 im Januar 2018 wurde meine Wiesenhelden-Webseite 

auf Platz 1 gewählt! 

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!