Ein riesengroßer Brummer!

 

Nach einem verlängerten Wochenende mit Sonne, Regen und Gewitter bin ich wieder im Wiesenreich unterwegs. Genauer robbe ich am Waldrand entlang. Für mich als Raupe sehen ja diese Bäume aus, als würden sie direkt im Himmel enden. Obwohl ich das als Wiesenhelden-Reporterin natürlich besser weiß. - Nunja, ich bin eben eine Raupe und viel, viel, sehr viel kleiner als Ihr Menschen, da sieht die Welt schon mal völlig anders aus als für Euch.


Ui… was, was fliegt denn da mit solch hoher Geschwindigkeit auf mich zu?

Iiihhh – landet nur ein paar Körperlängen von mir entfernt… wie mein Herz schneller schlägt!

Hat das Tier mich zufällig verfehlt oder will es mich gar nicht fressen?

Wow! Dieser Flieger da vorne ist ja ein dicker Brummer, beinah 30 Millimeter lang!

Hm.. er scheint keine Notiz von mir zu nehmen… sieht irgendwie sehr merkwürdig aus, der Körper erinnert mich irgendwie an den von einem Käfer, aber dafür fehlen die dicken Deckflügel… also das weckt doch den Reporter in mir. Auch, wenn es gefährlich werden kann, muss ich heraus finden, um welchen Wiesenhelden es sich da wohl handeln mag.

Dann werde ich mich mal vorsichtig nähern, behalte aber meine Stinkegabel, die hinter meinem Kopf sitzt, so, dass ich sie ganz schnell zu meinem Schutz ausfahren kann… das Tierchen ist recht groß und ich bin zur Zeit leider noch eine kleine Raupe – was in ein paar Wochen wieder anders sein wird, denn ich wachse ja noch. Aber ich, Alby von Tanzfroh, bin ein mutiges Tierchen, ich schaffe das!!

Hm… dieser Wiesenheld bewegt sich aber sehr langsam, ich glaub ich kann mich aus meiner Deckung heraus wagen.

 

„Wer oder was bist du denn? Und wieso hast Du vorhin

einen Sturzflug auf mich zu gemacht?“

„Oh? Ah? Ähm… ich hab keinen Sturzflug auf irgendwen zu gemacht. Ich hatte nur keine Kraft mehr mich oben an der Baumspitze festzuhalten, bin einfach nur abgestürtzt. Und ich bin kein wer oder was – ich gehöre zum Stamm der Großen Birkenblattwespen.“

 

„Ja, groß bist du wirklich! Und dazu noch eine Wespe? Du bist ja größer, als eine Hornisse! Du hast doch nicht die Absicht mich zu fressen?!“

„Nein, ich gehöre zu den Wespenstämmen, die Vegetarier sind. Man nennt uns alle daher auch Pflanzenwespen. Es gibt weltweit über 9000 Arten von verschiedenen Pflanzenwespen.“

„Aha… deshalb fehlt auch die typische Wespentaille, was?“

„Ja, wir Pflanzenwespen sehen eher den Bienen ähnlich.

Außerdem haben wir auch keinen Stachel.“

„Wie verteidigt ihr euch dann?“

„Darin sind Pflanzenwespen nicht so gut. Aber mein Stamm besitzt als Fluginsekt kräftige Kiefer. Denn wir sind Baumbewohner und schlecken gern den leckeren Baumsaft. Doch dieser fließt unter der Rinde.

Daher ringele ich mit meinen Kiefern die Rinde junger Zweige auf, um

da dran zu kommen. Allerdings können sich unsere Kinder, die Larven dadurch verteidigen, indem sie ein Sekret abgeben, dass aus

kleinen Poren heraus blutet.“

 

„Aha… und wieso hattest du eigentlich keine Kraft mehr, um dich festzuhalten?“

„Ich bin ein Männchen, was man gut an meinem dunklen Hinterteil erkennen kann. Die Weibchen sind da heller, manche sogar gelblich. Und die Hinterbeine sind dicker. Außerdem: es ist nicht gerade einfach in solchen Höhen an den Spitzen der Bäume herum zu fliegen und einem Weibchen zu imponieren! Das strengt sehr,

                                                                      sehr an.“

 

„Hm, stimmt. Deine Flügel sehen schon etwas eingerissen aus,

du musst viel geflogen sein.“

„Und wie! Ich hab mich unheimlich ins Zeug gelegt. Besonders, weil ich ein Weibchen finden musste. Und das wird immer schwieriger! Es scheint kaum noch Wespen meiner Art zu geben.“

„Das ist ja furchtbar!“

„Das kannst du laut sagen! Ich hab meine Keulenartigen Fühler ausgestreckt und nach den Duftschwingungen eines Weibchens gesucht… und vor ein paar Stunden habe ich dann endlich eines gefunden. Ich hab mit ihr für Nachwuchs gesorgt und jetzt bin ich völlig am Ende meiner Kräfte.

Fliegen ist nicht mehr drin, ich werd wohl noch etwas hier am Rande herum krabbeln und dann mit der Natur eins werden.“

 

Die Große Birkenblattwespe gehört zu den Keulenblattwespen. Allerdings ist ihr Bestand stark gefärdet. Sie ist gut an den orangenfarbenen, keulenartigen Fühlern zu erkennen und an dem gelben Fleck, der wie eine Aussparung in einem Lederanzug wirkt, und so das Samtmäntelchen „sichtbar“ macht.

Wenn Ihr mehr wissen wollt: www.hornissenschutz.de/cimbex.htm

 

 

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!