Wie aus Nützlingen Schädlinge werden...

An den letzten beiden Tagen habe ich Wiesenhelden aus der Gattung der Pflanzenwespen gefunden. Sie werden auch Blattwespen genannt und sind Vegetarier.

Sie haben braune, durchsichtige Flügel, ein etwas kräftiger gebautes Hinterteil und ihnen fehlt die typische Wespentaille.

Am Dienstag war es eine der größten Pflanzenwespen gewesen und gestern eine der kleineren… und wenn ich mich nicht irre, sitzt da vorne eine der kleinsten Wespen dieser Art: Das Tierchen könnte gerade mal so 3 Millimeter lang sein.

Allerdings ist sein Kopf recht klein, im Gegensatz zu seinem Körper, was das wohl zu bedeuten hat?

 

„Klar, für eine Wespe wäre mein Kopf zu klein. Aber ich gehöre ja nicht zu den Wespen, sondern zur Familie der Mücken. Mein Stamm gehört zu den Trauermücken.“

„Ui, was hat das zu bedeuten?

Seid ihr etwa immer traurig?“

„Nein, nein. Das natürlich nicht. Unser Körper ist recht dunkel gefärbt, daher haben uns die Menschen so benannt. Und es gibt uns in den Größen von 2 bis 7 Millimetern. Wir sind also recht kleine Mücken und leider bei den Menschen nicht sehr beliebt.“

 

„Hm, gehört ihr etwa zu den Stechmücken? Denn die mögen die Menschen nicht, weil sie stechen und Blut saugen und so Krankheiten übertragen können.“

„Nein, zu den Stechmücken gehören wir Trauermücken nicht. Es gibt

sehr viele verschiedene Mückenstämme von sehr klein bis richtig groß

mit extrem langen Beinen. Aber nur sehr wenige sind

echte Stechmücken, die sich von Blut ernähren.“

 

"Aber warum mögen euch dann die Menschen nicht, das verstehe ich nicht.

Ihr seht doch ganz hübsch aus. Vor allem, der orangefarbene

Bauch und die Flügel.“

„Es ist nicht unser Aussehen. Es liegt einfach daran, dass unser Kinder in der Erde drin leben. Und viele Menschen halten ihre Pflanzen nunmal in kleinen Käfigen, also die Wurzeln der Pflanzen. Die Erde darin ist ziemlich tot, da gibt’s nichts, was man fressen könnte. Also suchen sich die Kleinen selbst was zu fressen und das einzige, dass sie finden sind eben die Wurzeln dieser Pflanzen. Und um nicht zu verhungern, werden dann die Wurzeln gefressen – was der Pflanze natürlich nicht gut tut.“

 

„Oha, dann geltet ihr wohl als Ungeziefer!“

„Leider! Dabei fressen unsere Kleinen meist viel lieber klein gekaute Kompostreste oder getrocknete Stücken von Laub, aber auch Pilze –

und daraus macht unser Bauch sozusagen Humuserde.

Aber was sollen wir machen, wenn kein Futter da ist?

Dann muss man eben das nehmen, was sonst noch da ist.

Und wenn dann die kleinen Erwachsen werden und los fliegen wollen, dann geraten sie oft an dieses gelbe Klebedings und sterben dort,

ohne die Chance bekommen zu haben eine Familie zu gründen.“

„Ui,das ist ja wirklich sehr traurig!“

 

Also, liebe Menschenkinder:

Wenn Ihr schon Lebewesen in Käfigen halten müsst, dann kümmert Euch richtig um sie, gebt ihnen das was ihnen gut tut! Jedes Lebewesen ist wichtig und hat das Recht auf ein Lebens würdiges Leben - und das sieht meist anders aus, als Eure Art zu leben!

Und Pflanzen mögen gerne lebende Erde, also Humus, in dem kleine Lebewesen drin leben, die neue, gute Nahrung herstellen können. Keinen künstlichen Dünger aus Chemikalien.

Und damit diese Pflanzen in Euren Häusern gesund leben können – und sich kein Wiesenheld in einen Schädling verwandeln muss, sorgt doch dafür, dass die Wurzeln in guter Erde wachsen können.

Und wenn ihr Trauerfliegen dort seht, dann streut sicherheitshalber welkes Laub über den Erdboden, klein gerieben mit den Händen – damit es die richtige Größe hat für die Kinder der Trauermücke und sie so das Futter in guten Humus umwandeln können.

Denn sie fressen lieber diese Blätterreste, als die Wurzeln – es sei denn, es gibt nichts anderes! Und vor allem: Das ganze gibt es kostenlos!

Der Chemiedünger kostet Energie und Geld!!!!

 

Wenn Ihr mehr über diesen Stamm erfahren wollt:

www.fruchtfliegen-info.de/trauermuecken/

Bei der Endabstimmung für 2017 im Januar 2018 wurde meine Wiesenhelden-Webseite 

auf Platz 1 gewählt! 

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!