Ein Schutzhaus zum Herumwandern

Für eine Schnecke ist das heiße sonnige Wetter zwar nicht gerade ideal, aber da es in zwei Tagen regnen wird, über einige Tage hinweg – so etwas spürt eine Schnecke – bin ich diese Woche als Wiesenhelden-Reporter auserkoren worden.

Zur Zeit halte ich mich zum Schutz umter Büschen auf, nahe am Wiesenrand, wo das Gras schön hoch wächst. Schon eine Weile beobachtet ich etwas merkwürdig Fliegendes. Sieht beinah aus wie ein Ahornsamen von der Bewegung her, wenn er vom Baum fällt. Doch zum einen fallen diese erst im Herbst und zum anderen, können die sich nicht immer wieder auf und nieder bewegen und regelrecht in der Luft tanzen…  

 

Oha, da ist dieses Etwas gerade über mir gelandet auf einem Ästchen – es ist auf jeden Fall ein Wiesenheld mit Flügeln! Und wow! Das Tierchen hat hat Fühler, die sind bestimmt doppelt so lang wie sein Körper, über den er seine Flügel zusammen gefaltet hat.

 

„Ich bin ein Schmetterling und gehöre zu den Langhornmotten, genauer nennen mich die MenschenNematopogon robertella.“

 

„Motten? Frisst du dann die Kleider der Menschen auf?“

„N-e-i-n! So etwas mögen wir nicht!

Wir gehören ja auch nicht zu den kleinen Kleidermotten.

Wir sind Echte Motten, das heißt kleine Nachtfalter.“

 

„Nunja, die Sonne scheint, es ist Tag und nicht Nacht.“

Nicht alle Nachtfalter fliegen nur in der Nacht. Meine Art fliegt auch gern bei Tageslicht. Vor allem, weil wir Männchen ja von den Weibchen gesehen werden wollen. Hast du denn nicht vorhin meinen tollen Tanz bewundert?“

 

Ups, das war ein Tanz? Schien mir etwas unkontrolliert, dieser Flug – ich hab zwar die Begegnung gespürt, doch wirkte das auf mich alles nur wie zufällig, nicht als wenn sich da jemand Mühe macht, um einen anderen zu beeindrucken!

„Aha, dann führen also Langhornmotten Balztänze auf.“

„Genau, und die Weibchen sind da sehr eigenwillig. Nur der beste Tänzer suchen sie sich als Partner aus.“

 

„Wie geht’s dann weiter mit euren Kindern, den Raupen. Wie führen die ihr leben, tanzen die auch?“

„Nein! Wozu auch. Sie müssen ja aufpassen, dass sie nicht gesehen werden. Denn hat ein Fressfeind sie erspäht, dann warst das.

Und sie werden sich somit nicht verpuppen und ein

Schmetterling werden können.“

 

„Haben eure Kinder ein besonderes Talent,

wie sie sich schützen oder verstecken können?“

„O ja. Darin sind unsere kleinen echt gut. Zuerst beißen sie ein Loch in ein Blatt und fressen darin ihre Gänge. Nach Außen hin bleiben sie unsichtbar. Nur, dass die Blätter an den Stellen dann braun werden und irgendwie lederartig wirken. Später dann, wenn sie sozusagen kein Kleinkind mehr sind, sondern eine Art Teenager, beginnen sie sich einen Schutzpanzer aus Blattstücken zurecht zu schneiden, im Grunde ähnelt er von seinem Aussehen einem Schlafsack wie ihn auch die Menschen benutzen.

Nur dient er eben nicht nur zum Warmhalten und Schafen,

sondern sie schleppen ihn mit sich herum wie du, eine Hainbänderschnecke, dein Schneckenhaus.

Und wenn sie größer werden, bauen sie immer wieder ein Stück daran an. Sieht echt toll aus dieses Kunstwerk, was die Kleinen da erschaffen.

Und wenn sie sich verpuppen, dann ziehen sie sich komplett

in ihr Häuschen zurück.“

„Ui, das ist bei uns Schnecken auch so. Anfangs hat unser Häuschen noch wenig Windungen, und je größer wir werden, umso größer wird auch das Häuschen, es wächst mit. Nur, dass wir eben keine Kalkstücke zurecht schneiden und anbauen, sondern den Kalk fressen und unser Körper dann die Anpassung an das Gehäuse macht.“

 

Wenn Ihr mal ein solches Schutzhäuschen einer Langhornmotten-Raupe sehen wollt, bzw. ihren Kokon und Schlafsacke - dann schaut doch hier vorbei: www.lepiforum.de/lepiwiki.pl?Nematopogon_Robertella

Bei der Endabstimmung für 2017 im Januar 2018 wurde meine Wiesenhelden-Webseite 

auf Platz 1 gewählt! 

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!