Tunnelgräber unterwegs

Gestern habe ich eine Königin kennen gelernt, eine Ameisenkönigin. Sie war recht groß bestimmt 15 Millimeter.

Und wer weiß, vielleicht lern ich heute wieder eine kennen – oha, ich scheine Glück zu haben. Da vorne sitzt glaub ich eine. Sie ist zwar nur halb so groß wie die Königin gestern, aber vielleicht sind ja die Ameisen dieses Stammes ja nur 2-3 Millimeter lang. Jedenfalls, sieht sie einer Ameisenkönigin sehr ähnlich – obwohl die Flügel kommen mir irgendwie anders vor.

 

„Du bist aber eine lustige Bänderschnecke. Nein, ich gehöre nicht zu den Ameisen, sondern zu den Wespen. Genauer zu den Grabwespen,

ich bin eine Lindenius albilabris.“

„Aber dein Farbe, so einheitlich dunkel gefärbt und auch dein Körperbau, erinnern doch sehr an eine Ameise und nicht an eine Wespe,

die sind doch gelb-schwarz!“

„Nicht alle Wespen sind gelb-schwarz gestreift. Meist sind es die Faltenwespen, die dieses Outfit tragen. Gut, es gibt auch etliche Grabwespenarten, die ebenfalls solche Streifen haben, aber

manche sind so wie ich komplett schwarz oder schwarz

mit einem roten bis orangnem Hinterteil.

Und! Es gibt einige Wespenarten, die einer Ameise ähnlich sehen

– was auch kein Wunder ist. Vor Millionen von Jahren hatten wir einen gemeinsamen Vorfahren. Wir sind sozusagen Bruder und Schwester.“

 

„Aha! Und was bedeutet Grabwespe?

Buddelst du dich gerne durch die Erde?“

„Nur, wenn ich einen Nestbau anlegen will, ansonsten fliegen

wir lieber herum, besuchen und bestäuben Blumen.“

 

„Toll, wir Schnecken legen auch gern unsere Eier in Erdhöhlungen.

Wie tief grabt ihr denn so, um ein gutes Nest anlegen zu können?“

„Also mein Stamm buddelt erst mal einen kleinen Krater, dann geht’s weiter senkrecht nach unten, bestimmt die 14 fache länge

meines Körpers. Dort am Ende legen wir dann neue Kanäle an, waagerecht. Das sind die eigentlichen Nester. Bis zu zehn

können es sein. Dort kommt dann je ein Ei hinein

und als Futtervorrat eine Weichwanze.“

„Das ist ja der Wahnsinn! So ein kleines Tierchen wie du,

buddelt solch große Höhlen. Da musst du ja sehr stark sein.“

„Klar, das haben wir mit den Ameisen auch gemeinsam!“

„Wenn es gelb- schwarz gestreifte Grabwespen gibt, wie kann man euch Grabwespen dann von der Faltenwespen unterscheiden?“

„Die Faltenwespen falten ihre Flügel auf dem Rücken zusammen, so dass sie sehr schmal aussehen. Ihre Flügel liegen nebeneinander. Daher auch der Name. Wir legen unsere Flügel übereinander. Am bekanntesten ist ja die Gewöhnliche Wespe, da sie sich gerne mal am Tisch der Menschen bedient. Doch so etwas käme für uns Grabwespen überhaupt nicht in Frage. Unser Nachwuchs mag nur Insekten und sonst nichts anderes!“

 

„Haben alle Grabwespen die gleiche Körperform?“

„Nein! Manche sind schlank wie ich, anders superschlank und wieder andere wirken gar wie ein Strich in der Landschaft. Einige sind nur halb so groß wie ich, also knapp 4 Millimeter. Andere dagegen 25 Millimeter.“

„Wow, da ist es wahrlich nicht leicht euch zu erkennen.“

„Das stimmt, aber wer den Boden genauer beobachtet, wird es daran merken, dass wir in der Erde graben! - Obwohl, da fällt mir ein: einige nisten auch in Pflanzenstängeln oder in morschem Holz.

Allerdings sind wir alle, im Gegensatz zu den Faltenwespen

und den Ameisen, Einzelgänger. Wir Weibchen kümmern uns ganz allein um den Nachwuchs. Es gibt keinen Staat bei uns!

Dafür hat allerdings jede von uns Wespen ihre eigenen Kinder,

und muss sich nicht um den Nachwuchs von nur

einem einzigen Weibchen kümmern.“

 

„Und jedes Grabwespenkind hat seinen ureigenen Speiseplan?“

„Je nach Stamm hat jedes sein eigenes Lieblingsinsekt zum Fressen gern. Einige stehen auch auf Blattläuse! Vor allem die kleineren Arten wie die Passaloecus.“

 

Wenn Ihr mal sehen wollt, wie die anderen Grabwespen so aussehen, dann schaut doch mal hier vorbei: www.rutkies.de/grabwespen-opfer/

 

Oder der Nachwuchs… und wie man ihnen eine gute Nisthilfe geben kann, findet Ihr hier: www.wildbienenschutz.de/wildbienen/weitere-bewohner-von-kuenstlichen-nisthilfen-solitaere-faltenwespen/grabwespen.html

Bei der Endabstimmung für 2017 im Januar 2018 wurde meine Wiesenhelden-Webseite 

auf Platz 1 gewählt! 

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!