Wie ein Wolf unter Hirten

Ach, wie gut der Regen tut. Seit gestern Abend tanzen die Regentropfen aus den Wolken zur Erde. Da macht das Schleimern als Schnecke gleich viel mehr Freude… und ich kann mich wieder aus dem Dickicht wagen, hinaus ins Wiesenreich. Ich bin sehr gespannt, welchen Wiesenhelden ich heute interviewen kann.

Oho, wer wusselt denn da auf den Blättern emsig und schnell herum. Ich kann seine sechs Beinchen in Bewegung sehr gut mit meinem Muskelkörper fühlen. Es ist auf jeden Fall nicht groß, so viel kann ich schon mal sagen. Ob ich das das Tierchen wohl erwischen werde? Als Bänderschnecke bin ich zwar für Schnecken recht schnell unterwegs, vor allem bei Regen. Aber einem Sechsbein hinterher zu rennen und es einzuholen, das dürfte wohl schwierig werden.

Hm, es fühlt sich an, als würde das Tierchen hin und her laufen. Es muss wohl etwas suchen…

Ah, jetzt erkenne ich es: Es ist eine Ameise, würde ich sagen. Hat genau die Größe und das Aussehen von einer gewöhnlichen Ameise… also keine Königin, es hat keine Flügel! Somit ist es auch keine aus dem Stamm der Grabwespen – die mir gestern begegnet ist.

 

„Zu welchem Stamm gehörst du denn und wo ist dein Staat und

dein Bau zu finden, oder hast du dich gar verlaufen?“

„Staat? Ich bin ein Einzelgänger! Mein Stamm lebt niemals in einem Bau. Und verlaufen habe ich mich nicht.“

„Eine Ameise kann doch allein nicht überleben!“

„Das weiß ich nicht! Ich tarne mich nur als Ameise.

Ich bin nämlich eine Ameisenwanze!“

„Ui… hm, wenn ich dich genauer anschaue, stimmt: Einen Rüssel hab ich noch bei keiner Ameise gesehen und deine Fühler sehen recht merkwürdig aus.“

„Ganz typisch nach einer Wanze! Jede Wanze ist an ihrem Kopf zu erkennen! Dem schmalen Kopf mit recht großen Augen und dem langen Rüssel und den Fühlern. Und wenn du mich von oben betrachtest, wirst du auch sehen, mir fehlt der typische dreigeteilte Körper einer Ameise. Dennoch die meisten Ameisen halten mich auch für eine aus ihrem Stamm. Von daher ist es nicht verwunderlich, wenn du mich für eine Ameise gehalten hast. Sie sehen übrigens auch nicht viel besser als du, bräuchten eigentlich eine Brille. Doch das ist nur gut für mich!“

 

„Warum willst du wie eine Ameise aussehen?“

„Zum einen kann ich mich zur Sicherheit unter die Ameisen mischen, einige Fressfeinde meiden mich dann. Und zum Anderen bediene ich mich gerne an den Weidetieren der Ameisen, den Blattläusen.“

 

„Du melkst sie auch? Stiehlst also den Ameisen den Honigtau?“

„Nicht wirklich. Vielleicht, wenn ichs eilig habe. Aber meist erbeute ich sie wie ein Wolf ein Schaf. Ich hab die Blattläuse nämlich zum Fressen gern!“

„Ui, hätte ich dir gar nicht zugetraut. Du bist so klein!“

„Nun ja, das liegt eher daran, dass ich im Grunde noch ein Kind bin.

Wenn ich Erwachsen bin, dann bin ich fast 6 Millimeter lang.“

 

„Bekommst du dann auch Flügel?“

„Bei uns Wanzen kommen von Phase zu Phase, wenn wir unsere alte Außenhaut abwerfen, immer ein Stück weit mehr die Flügel heraus.

Nur bei meinem Stamm sind diese etwas verkümmert, wir haben gemerkt, dass es einfacher ist herum zu laufen, als mühselig zu fliegen.

Denn Fliegen kostet immer mehr Kraft als zu Laufen.“

 

Wenn Ihr mehr Bilder von Wanzen sehen wollt, die Artenvielfalt der Wanzen, dann schaut doch mal hier rein: http://ekkehard-wachmann.de/weichwanzen/

 

 

Bei der Endabstimmung für 2017 im Januar 2018 wurde meine Wiesenhelden-Webseite 

auf Platz 1 gewählt! 

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!