Tarnung rettet leben

Ach wie wunderbar, heute ist das Wetter etwas kühler als gestern. Und die Feuchtigkeit des letzten Regenergußes liegt noch in und über der Erde – das richtige Schleimerwetter für eine Bänderschnecke wie mich!

In den letzten Tagen bin ich ständig auf eine neue Art von Wanzen getroffen, und immer war ich mir nicht sicher, ob es nicht eine Wespe, ein Käfer oder eine Fliege war.

Oho, ich glaub da vorne ist wieder eine Wanze auf dem Blatt. Dieser Wiesenheld hier sieht nämlich der Prachtwanze, die ich gestern interviewt habe, sehr ähnlich.

Hm… allerdings trägt diese ihre Flügeldecken leicht geöffnet – ob sie gleich los fliegen will?

Da muss ich mich ja richtig beeilen, um sie rechtzeitig noch fragen zu können.

Ups… jetzt ist sie so einfach auf das nächste Blatt gesprungen, federleicht geradezu… und wow, das Tierchen hat aber gigantische Fühler, die sind mindestens 4 Mal so groß wie sein ganzer Körper.

Das wird doch nicht eine Zikade sein? Heuschrecke kommt auf jeden Fall nicht in Frage, dafür fehlen die langen Beine…

 

„Du bist auf der völlig falschen Spur. Ich bin ein Nachtfalter,

genauer eine Gebänderte Langhornmotte.“

„Aha… am Montag vor einer Woche hatte ich auch eine aus dem Stamm der Langhornmotten getroffen. Aber deine Fühler sind ja noch viel, viel länger.“

„Das liegt daran, dass ich ein Männchen bin. Um ein Weibchen zu finden, braucht es nunmal sehr lange Fühler. Ich versuche der Duftfährte

zu folgen, die eines von ihnen hinterlässt…

im Moment hab ich nur leider die Spur verloren.“

„Das könnte am Regen liegen, die Regentropfen säubern ja geradezu die Luft.“

„Wäre möglich.“

„Was ist das besondere an deiner Art?“

„Nun wir gehören zu den Miniersackmotten. Das heißt die Raupen

fressen sich durch das Innere des Blattes, sind aber nicht wirklich zu sehen. Und später bauen sie sich aus Blättern eine Art

Transportsack, in dem sie gut geschützt sind.“

„Stimmt, das hat die andere Motte auch erzählt. Aber was fressen die Raupen dann, wenn sie nicht mehr das Innere von Blättern ausnagen.

Fressen die dann an den Blättern außen weiter?“

„Nein, die Raupe lässt sich mit ihrem Sack auf den Boden fallen

und frisst dann herabgefallenes Laub und ähnliches.“

„Ach? Dann ernährt sie sich fast wie ein Regenwurm!

Und wie geht’s dann weiter?“

„Nun ja, kurze Zeit später beginnt die Verpuppung und die Überwinterung der Raupe, wobei sie in ihrem selbstgemachten Blattsack drin bleibt.“

„Überwintern? Dann gehörst du also zu den Faltern,

die nur eine Generation pro Jahr haben?“

„Genau! Unsere Entwicklung geht recht langsam. Andere Schmetterlinge pflanzen sich dagegen 2 oder manche auch 3 Mal in einem Jahr fort. Da könnte ich in einem Jahr nicht nur Vater, sondern Großvater und Urgroßvater werden.“

 

„Hat das Muster auf deinen Flügeln eine bestimmte Bedeutung?“

„Nun, wie du schon gemerkt hast, habe ich damit eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Prachtwanze. Sie ist für Fressfeinde giftig. Mein Stamm hat leider kein Gift. Wenn wir versuchen würden giftige Pflanzen zu fressen, müssten wir sterben. Aber dank unserer Ähnlichkeit brauchen wir das auch nicht.

So lange ein Fressfeind das gleiche annimmt wie du vorhin.

Dann ist alles in Ordnung.“

 

„Was fresst ihr so?“

„Die Raupen mögen krautige Pflanzen und wir Falter Nektar und Pollen. Aber jetzt muss ich wieder weiter. Die Uhr tickt. Wir Falter leben ja leider nur recht kurz und bis dahin muss ich ein Weibchen gefunden haben.“

 

Tja, das ist der große Unterschied zwischen Insekten und uns Weichtieren. Wir leben einige Jahre, wogegen so manches geflügelte Insekt nur einige Tage, Wochen oder höchsten Monate lebt. Der Zitronenfalter allerdings lebt so ziemlich am längsten. Er kann 13 Monate alt werden. Und die größere Schnecke, die Weinbergschnecke kann dagegen mindestens 20 Jahre alt werden.

Echt der Wahnsinn, was?

 

Eure Marina Lauffein!

Bei der Endabstimmung für 2017 im Januar 2018 wurde meine Wiesenhelden-Webseite 

auf Platz 1 gewählt! 

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!