Der Sack ist leer!

Heute ist mein letzter Tag als Reporter im Juni. Am Montag ist dann Linus von Lieblich dran, der Schmetterling aus dem Stamm der Bläulinge.

So lange es noch schön kühl und schattig ist, wage ich mich im Moment etwas weiter oben herum zu kriechen… ich glaube das Ding auf dem ich mich befinde nennt Ihr Menschen Gitterzaun. Von ihr aus kann ich sehr viele Gerüche wahrnehmen. Sie tanzen regelrecht in den Lüften herum, ach wie toll da duftet.

Oha, was hängt denn da vor mir herab? Sieht beinah aus wie Vogelkot, ober ich glaube fast, da irre ich mich. In den letzten drei Wochen habe ich viel gelernt. Vor allem, dass vieles, was auf den ersten Blick nach etwas aussieht, sich dann doch als etwas völlig anderes entpuppen kann.

Hm… nach Vogelkot riecht es nicht und es fühlt sich auch nicht danach an. Nein, eher wie Sandkörner, die mit einer Art Leim übereinander geklebt worden sind – ha! Ich glaub das ist einer dieser Schlafsäcke von Raupen, die sie mit sich herum schleppen, wie ich mein Schneckenhaus.

 

Komisch ist nur, dass sich das irgendwie so leer anfühlt… und oha, weiter unten schaut was heraus, das fühlt sich sehr nach Raupe an. Aber sie rührt sich nicht, ich kann sie gar nicht spüren… sehr merkwürdig.

Was mag da nur geschehen sein?

Ich frag am besten die benachbarten Pflanzen.

 

 

„Zum Interviewen bist du leider zu spät dran. Vor einigen Tagen ist das Tierchen aus seinem Puppenhaus geschlüpft.“

 

„Ach, dann ist das Anhängsel nicht die Raupe selbst, sondern ihre Puppe, daher fühlt sich das so hohl an. Wie sah, denn das Tierchen aus?“

„Nun ja, wie ein zu kurz geratene Raupe, die teilweise einen Pelz trägt. Wir waren selbst erstaunt, dass da kein Schmetterling oder Käfer heraus gekommen ist, wie das sonst so bei Verpuppungen der Fall ist.“

 

„Was hat die Raupe denn gemacht?“

„Also vor der Verpuppung ist sie herum gekrochen mit ihrem Sandhaus und hat Algen und Flechten gefressen. Dann hat sie sich sozusagen hier am Gartenzaun aufgehängt. So knapp drei Wochen später kam sie dann unten heraus. Sie hat sich auf ihre Puppenhülle gesetzt und angefangen einen besonderen Duft zu versprühen. Nach einigen Stunden kam dann ein anderes Tierchen vorbei. Auch recht haarig, aber mit Flügeln.

Die beiden haben geturtelt und dann ist er weg geflogen. Das raupenartige Tierchen hat in seinem Larvensack seine Eier abgelegt.

Kurze Zeit danach ist es gestorben.“

 

Hm, also nach der Beschreibung, und dem Wissen, dass mir der gestrige Wiesenheld erzählt hat, muss das hier auch ein Schmetterling sein, aus dem Stamm der Sackträger. Und da die Hülle im Grunde wie eine Röhre aussieht, muss es sich wohl um einen Röhrensackträger gehandelt haben, genauer um ein Weibchen. Denn diese verpuppen sich zwar, aber sie bekommen keine Flügel. Sie sehen im Grunde als Erwachsene kaum anders aus, als als Kinder.

Und dann wird das Säckchen sogar 2 mal genutzt. Die Mutter lebte darin und die Kinder haben jetzt sozusagen ein sicheres Dach über Kopf.

 

Echt der Wahnsinn! Da hab ich doch an meinem letzten Diensttag, sozusagen als Gehäuseschnecke das Gehäuse einer Raupe gefunden. Wenn das nicht mal ein ganz besonderer Schlusspunkt ist.

 

Also dann: Ich wünsche Euch, liebe Menschenkinder einen schönen sonnigen Sommer! Bis dann

Eure Marina Lauffein

 

Wenn Ihr mehr wissen wollt. Wie das Weibchen und das Männchen aussehen, und wie sie leben dann schaut doch hier rein: www.insekten-sachsen.de/Pages/TaxonomyBrowser.aspx?ID=432741

Bei der Endabstimmung für 2017 im Januar 2018 wurde meine Wiesenhelden-Webseite 

auf Platz 1 gewählt! 

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!