Auf den Leim gegangen

Wie wunderbar ist es doch fliegen zu können. Unter uns vier Wiesenhelden-Reportern bin ich ja der einzige, der die Welt von ganz hoch oben betrachten kann, oder auch von der Aussichtsplattform eine Blüte – oder wie heute von einer Sonnenblume aus. Ihr Stängel ist knapp zwei Meter hoch und für einen Wiesenhelden ist das schon eine sehr große Höhe. Zumindest für die Krabbler unter uns! Denn die meisten sind ja knapp 200 Mal kleiner als diese zwei Meter.

Stellt Euch doch einen Aussichtspunkt vor, der 200 Mal größer ist als Ihr selbst. Von dort aus lässt sie vieles erkennen und irgendwie sieht die Welt auch viel kleiner aus, als wenn man einfach nur unten auf der Erde herum rennt...

Ach, es gibt ja so vieles zu sehen von hier aus!

Vor allem, diese schönen Ballonblüten des Taubenkropfleimkrautes. Sie werden emsig von vielen Besuchern aufgesucht, denn sie geben gern reichlich Nektar und er schmeckt gut.

„Ja, da kann ich nur voll und ganz zustimmen! Und erst die Blütenkapseln mit Samen! Sie schmecken ausgezeichnet!“

 

0h, ich dachte ich wäre hier oben allein! Mal sehen, wen ich da übersehen habe. Oho, hier direkt neben mir an der Wand, sitzt ja ein kleiner Falter. Von der Größe her könnte er ein Schmetterlingskleinkind von mir sein – aber es gibt ja nur Raupenkinder unter uns Schmetterlingen, wenn Ihr versteht.

Dafür hat er schöne, große Flügel. Ihr Spannbreite ist mehr als doppelt so lang wie sein Körper groß ist. Bestimmt 2 Zentimeter!

 

„Ah, schönen guten Morgen! Zu welchem Stamm gehörst du denn?“

„Ich bin Marion Marmoriert und gehöre zum Schmetterlingstamm der Geschmückten Taubenkropf-Blütenspannern.“

„Ach, daher hast du eben so über diese Blüten da vorne geschwärmt.

Wie sehen denn deine Raupen aus?“

„Natürlich tragen sie ein grünes Kleid, ähnlich schmutziggrün wie die Blätter eben. Dazu passend einen bräunlichen Rückenstreifen und ihr Kopf ist schwarz und glänzend, als wäre er gerade poliert worden.“

 

„Mag euer Stamm nur diese Pflanze?“

„Im Grunde schon. Also alle Arten, die zu den Leimkräutern gehören. Das sind schon ein paar Pflanzen. Doch wo diese nicht wachsen, können wir nicht leben. Leider werden die Gebiete mit diesen Pflanzen immer kleiner.“

 

„Wenn ich mich recht erinnere gehören doch die Leimkräuter

zur großen Familie der Nelkengewächse?!“

„Ja, das stimmt. Die Blätter haben eine ähnliche Form

und ähnliche Inhaltsstoffe.“

 

„Wenn euer Stamm auf diese Pflanzen spezialisiert ist.

Kennt ihr dann vielleicht das eine oder andere Geheimnis von denen?“

„Das will ich meinen. Die Gattung Silene zum Beispiel verrät,

dass an ihrem Standort Schwermetalle wie Zink, Cobald oder Cadmium und Quecksilber lagern. Und diese kann die Pflanze sogar

in sich aufnehmen, ohne daran zu sterben.“

„Ja, wenn das ein Mensch machen würde,

trüge er schwere Vergiftungen davon.“

 

„Woher kommt denn der Name Leimkräuter?“

„Nun die meisten von ihnen tragen am Stil und den Blättern an den Härchen eine klebrige Flüssigkeit. Kleine Inseken bleiben daran kleben. Was für andere Wiesenhelden dann zu einem gedeckten Tisch wird,

die Spezialfüße haben - wie die einer Wanzenart,

deren Name mir gerade nicht einfallen will.

Beim Taubenkropfleimkraut dagegen ist diese Flüssigkeit in

den Blättern drin. Sie löst sich erst beim Zerkauen, was natürlich

ein gutes Mittel ist, um Fressfeinde fern zu halten.“

 

 

Na, dann guten Appetit :-)

Euer Linus von Lieblich

 

Mehr über Leinkraut Lichtnelke:

https://offene-naturfuehrer.de/web/Silene_noctiflora_%E2%80%93_Acker-Lichtnelke,_Leimkraut_(JKI-Pflanzenportraits)

Bei der Endabstimmung für 2017 im Januar 2018 wurde meine Wiesenhelden-Webseite 

auf Platz 1 gewählt! 

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!