Skelettierer vom Dienst

Ach, war das ein schönes Wochenende mit viel Sonne! Und der Wind hat herrlich geweht, so dass hunderte von wunderbaren Düften um meine Fühler getanzt sind.

Ich bin mal gespannt, welchen Wiesenheld ich heute für Euch interviewen darf!

Oho, da sitzt ja schon einer auf einer schönen gelben Blüte des Rainfarns Ein kleiner Falter, etwa die Hälfte kleiner als ich – und als Bläuling gehöre ich ja auch zu den kleineren Schmetterlingen.

Ich frag mich nur, warum er seine Flügel so merkwürdig übereinander faltet, beinah schon abspreizt, sieht beinah aus wie so ein Umhang der Art wie ihr Menschen sie euren erdachten Superhelden gerne anzieht.

 

„Ich gehöre zum Familie der Spreizflügelfalter, genauer

mein Stamm wird Anthophila fabriciana genannt.“

„Ah, das erklärt die Flügelhaltung! Gibt es noch mehr deiner Art? Mir ist bisher noch kein solcher Falter über den Weg geflogen.“

„Also Weltweit sind es 400 Arten. Hier in Europa knapp 20 Arten.“

 

„Oh, doch so viele! Wahnsinn! Kannst du deine Flügel auch richtig ausstrecken, oder musst du diese Haltung einnehmen?“

„Klar kann ich sie auch auseinander falten, dann hab ich sogar eine Flügelspannweite von 20 Millimeter. Aber so ist es praktischer, das lässt mich größer erscheinen, gleichzeitig kann ich mit dieser Haltung schneller davon fliegen. Mein Stamm hat ja leider kein Gift im Körper, der Fressfeinde abhalten würde, uns aufzufressen.“

 

„Wie ich sehe, gehörst du zu den Blütenbestäubern. Wie ist das mit eurem Nachwuchs. Hat der eine besondere Vorliebe für bestimmte Pflanzen?“

„Stimmt ich bin ein Blütenbestäuber. Am liebsten besuche ich allerdings die Blüten des Rainfarns. Unser Nachwuchs ist ebenfalls sehr wählerisch. Je nach Art mögen die einen die Blätter von Rosen, mein Stamm mag die der Brennnessege-wächse und wieder andere stehen mehr auf Lippenblütler.“

„Oh ja, Lippenblüter fressen unsere Raupen auch gerne. Je nach Art eine bestimmte Kleesorte… hm, da sehe ich gerade den Wiesenklee,

seine Blätter sehen aus, als wären da Raupen tätig. Aber sehen kann

ich keine. Nur irgendwie sind die Blätter so merkwürdig angeknabbert. Die meisten fressen so am Rand, dass es aussieht, als hätte da ein größeres Säugetier mit Gebiss ein Stück vom Blatt abgebissen.“

„Ja, die stammen von Raupen aus meiner Familie. Um nicht entdeckt zu werden, knabbern sie nur bei Nacht und verstecken sich am Tage.

Sie mögen keine Blattadern und fressen daher so drum herum,

manchmal lassen sie sogar nur ein Blatt-Skelett übrig.

Sie skelettieren sozusagen das Blatt.“

 

„Aber wie ist das, wenn sie noch Babyraupen sind?

Der Weg zum Versteck im Untergrund wäre dann ja sehr weit.“

„Die Kleinen sorgen mit einem Stoff in ihrem Speichel dafür,

dass die Pflanze ihre Blattspitzen einrollen. Dann weben sie

ein feines, weißes Gespinst, dahinter können sich die

Babyraupen verstecken und gemütlich fressen.“

 

„Da du am Tag unterwegs bist, gehörst du

wohl zu den Tagschmetterlingen, oder?“

„Nein, zu den Nachfaltern. Allerdings sind bei uns nur die Raupen nachtaktiv. Als Erwachsenen dagegen fliegen wir meist am liebsten am Tag, aber es kommt darauf an wie heiß es ist. Aber nun will ich wieder weiter fliegen. Ich bin nicht gerne zu lange an einem Ort.“

 

Ja, das werde ich jetzt auch tun. Denn ein Schmetterling ist schließlich dazu geboren durch die Lüfte zu flattern, immer und immer weiter zu tanzen… und Blüte zu Blüte.

Bis Morgen 

Euer Linus von Lieblich

 

Wenn Ihr mehr Fotos von Spreizflüglern sehen wollt, dann schaut doch hier vorbei: www.golddistel.de/nachtfalter/choreutidae/index.htm

Bei der Endabstimmung für 2017 im Januar 2018 wurde meine Wiesenhelden-Webseite 

auf Platz 1 gewählt! 

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!