Der lockende Duft eines Weibchens

Oho, da hab ich an der Wand nochmal einen Nachtfalter erspäht. Ich glaub der schläft, war gewiss eine lange Nacht für ihn.

Er könnte eine etwas größere Flügelspannweite haben, als ich. Lässt sich aber nicht genau sagen, da er seine Flügel so schön zusammen gefaltet hat, so klein könnte ich meine Flügel niemals machen, ohne sie dabei zu beschädigen.

Und oha, was ich für Fühler gehalten habe, sind ja die Vorderbeine. Er ist also auch ein Falter, bei dem noch alle 6 Beine etwa gleich groß sind. Und das ist ja bei Schmetterlingen nicht immer der Fall. Viele wie der Schillerfalter haben nur 4 große Beine und ein vorderes, verkleinertes Beinpaar, das nur noch dazu dient, die Augen gut sauber zu halten. Denn gut Sehen zu können, ist bei uns wichtig. Und da wir Insekten nicht wie Ihr Menschen Augenlider besitzen, die die Augen unter anderem auch sauber halten, müssen wir unsere Augen immer Mal wieder putzen, so wie unseren gesamten Körper.

 

Ich gehöre zum Stamm der Ampfer-Wurzelbohrer, gähn. Und ja, ich bin müde. Doch nicht vom Nektar schlürfen. Als erwachsene Falter fressen wir nämlich nichts mehr. Wir haben nur zwei Sachen, die es zu erledigen gilt: Einen Partner finden und für Nachwuchs zu sorgen.“

„Aha, und das ist alles erledigt?“

„Ja, ich hab ein Weibchen letzte Nacht gefunden. Sie hat so wunderbar gerochen, dass ich sie gut habe finden können. Du musst wissen, wir Männchen aus dem Stamm der Wurzelbohrer sind die Suchenden und die Weibchen verströmen ihre Duft, um uns zu sich zu rufen. Dafür trägt sie herrliche Duftschuppen an ihrem dritten Beinpaar. Nachdem ich meine Arbeit erledigt hatte, hat sie dann die Eier am Fuß einer Ampfelpflanze abgesetzt. Und jetzt genieße ich noch meine letzten Stunden.“

 

„Du bist also ein Männchen. Sehen die Weibchen viel anders aus bei Euch? Also bei meinem Stamm haben die Weibchen braunrote Flügel auf der Oberseite und wir Männchen haben blaue.“

„Der Farbunterschied ist bei uns nicht so groß wie bei Euch.

Die Weibchen sind etwas blasser, dafür sind sie allerdings

um einiges Größer als wir Männchen.“

 

„Wenn ich das recht verstanden habe,

dann leben wohl eure Kleinen von den Wurzeln einer Pflanze?“

„Ganz genau. Am liebsten mögen unsre Raupen die Wurzeln der Ampferpflanze. Und falls keine davon zu finden ist, fressen sie auch

mal an den Wurzeln von Wegerich. Fehlen die auch, dann tun

es auch mal die Wurzeln von Salat.“

 

„Verpuppen sich die Kleinen dann auch in der Erde?“

„Ja, und zusätzlich weben sie ein Gespinst um ihre Puppe.

Damit sind sie recht sicher vor Fressfeinden.“

 

„Dann habt ihr wohl ein recht kurzes Leben?“

„Als Schmetterlinge ja, aber als Raupen erleben wir volle 2 Winter.

Das ist doppelt so lang wie Kindheit und Erwachsensein zusammen gezählt - bei euch Blaulingen.“

 

Das Leben eines Ampfelwurzelbohrer als Raupe mag zwar viel länger andauern als das von unseren Bläulings-Kindern, aber dafür haben wir viel mehr Freiheiten!  Vor allem das Fliegenkönnen als Erwachsene macht ja so viel Freude! - Da lebe ich lieber kürzer, anstatt im dunklen Erdreich.

Bis Morgen

Euer Linus

Bei der Endabstimmung für 2017 im Januar 2018 wurde meine Wiesenhelden-Webseite 

auf Platz 1 gewählt! 

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!