Leben ohne Mund und Verdauungsapperat

Ach, war das eine schöne und spannende Woche gewesen. Ich hab ja so viel Neues lernen können – und lernen, finde ich, macht sehr viel Freude! Immer wieder neue Dinge zu erfahren. Tja, und da ich als Wiesenhelden-Reporter unterwegs bin, bin ich genau an der richtigen Stelle.

Oho, was ist denn das für ein schöner Wiesenheld. Elfengleiche, lange Fühler - und Flügel. Doch Moment!

Der Kopf sitzt an der falschen Stelle, ähm, ich meine die Fühler sitzen ja am Hinterteil. Was das wohl zu bedeuten hat?

 

„Nun, ich gehöre zum Stamm der Eintagsfliegen. Genauer, zu den Theiß-Eintagsfliegen. Wir haben ganz besonders schöne, lange Cerci – Hinterleibsfäden. Sie sind ideal zum Segelfliegen. Dank ihnen

muss ich mich nicht so mit dem Fliegen abmühen

wie du es als Schmetterling tun musst.“

 

„Du sieht gar nicht aus wie eine Fliege, dir fehlt der typische Körperbau, oder ist das wie bei den Köcherfliegen? Die haben auch das Wort Fliege im Namen, sind aber Schmetterlinge. Schmetterlinge, deren Raupen im Wasser leben.“

„Als Larve lebt mein Stamm ebenfalls im Wasser. Und wie sie brauchen wir sehr sauberes Wasser, allerdings gibt es bei uns kein Puppenstadium wie bei euch Schmetterlingen oder den Fliegen. Unser Name wird vom Flügel abgeleitet – Ephemeroptera heißt eintägiger Flügel.“

 

„Eintägig? Was bedeutet das, lebt ihr nur einen Tag?“

„Als geflügeltes Insekt leben einige der Eintagsfliegen

zwischen einigen Stunden und einigen Tagen.“

„So kurz? Lebt ihr dann wenigsten als Larve länger?

Diese Woche hab ich einen Schmetterlingsstamm kennen gelernt,

der lebt fast 2 Jahr als Larve und frisst als Fluginsekt nichts mehr.“

„Das ist bei uns ähnlich. Einige Arten leben knapp ein Jahr im Wasser. Ich als Theiss-Eintagsfliege habe allerdings 3 Jahr im Wasser verbracht und hab mich dabei 20 Mal gehäutet. Mein Körper hat sich dann von Häutung zu Häutung verändert, zuletzt waren die Flügel gekommen.“

 

Und was wäre, wenn du von dieser leckeren Kirsche

was essen würdest, auf der du sitzt?“

„Kann ich nicht. Ich habe kein Mundwerkzeug und nicht mal einen Verdauungstrakt. Da ist nichts in meinem Körper, das die Nahrung entsprechend umwandeln kann. Wir leben nur von den Reserven, die wir uns als Larve angefressen haben.“

 

„Und als Larve? Seid ihr da alle gleich?“

Was die Kiemen anbetrifft ja. Ansonsten: Die einen sind zynlindrisch gebaut und haben Grabwerkzeuge als Maul. Sie sind die Regenwürmer unter uns Eintagsfliegen. Andere schwimmen wie Fische herum –

das sind die einzigen, die dem erwachsenen Insekt vom Körper her

ähnlich sehen. Und dann wäre dann noch die Steinklammerer.

Sie können nicht wirklich schwimmen und sind sehr flach gebaut,

dafür können sie sich gut festhalten.“

 

„Und was fressen die so?“

„Kommt darauf an. Einige mögen Algen oder altes Pflanzenmaterial, andere jagen Insektenlarven wie die Köcherfliege.“

 

„Und welcher Typ bist du?“

„Sozusagen der Regenwurm der Eintagsfliegen.

Gleich nach dem Schlüpfen aus dem Ei habe ich mich im

Boden des Gewässers eingegraben.“

 

„Und nun geht’s darum sich fortzupflanzen?“

„Den Hochzeitsflug habe ich hinter mir. Da hab ich mich auch ein letztes Mal gehäutet, damit ich den Körper habe, um mich fortpflanzen zu können. Jetzt genieße ich einfach nur noch die letzten Stunden.“

 

In manchen Gegenden starten die Eintagsfliegen in ihr geflügeltes Leben geradezu in Massen. Ein einzigartiges Schauspiel, und wenn Ihr wissen wollt wo und wie das abläuft, dann folgt doch diesem Link:

http://flora-deutschlands.de/Publikationen/2010_NuM_Theissbluete.pdf

 

So und nächste Woche ist wieder Alby, die Raupe dran!

Dann werde ich relaxen und den Sommer genießen

Euer Linus von Lieblich

aus dem Stamm der Bläulinge

Bei der Endabstimmung für 2017 im Januar 2018 wurde meine Wiesenhelden-Webseite 

auf Platz 1 gewählt! 

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!