Grüne Augen

Hach, inzwischen bin ich als Raupe schon ein gutes Stück größer geworden, fast schon eine ausgewachsene Raupe eines Schwalbenschwanz-Schmetterlings. Und je größer eine Raupe wird, um so besser stehen die Chancen hier im Wiesenreich zu überleben und sich schließlich verpuppen zu können.

 Oh, was sehe ich da oben auf der Kornblumenblüte. Diese Fliege hat ja atemberaubend schöne grüne Augen!

Da muss ich gleich mal den Stängel hoch robben und sie befragen.

 

„Mein Stamm wir Acanthiophilus helianthi genannt. Ich gehöre zu den Fruchtbohrfliegen. Manche nennen uns aber auch Pfauenfliegen, weil wir einige aus dieser Familie tolle Flügelmuster haben und diese dann bei der Balz aufstellen wie das der Pfauenvogel macht.“

„ O Wow! Echt der Wahnsinn! Dabei bist du doch so klein. Nicht mal ein Zentimeter. Momentmal, was hast du denn da an deinem Hintern raus stehen? Ist ja riesig, schwarz und dick. Kannst du etwa stechen?“

„Nein! Das ist nur mein Legebohrer. Denn ich bin ein Weibchen. Die Weibchen unter den Insekten besitzen solch ein Teil, mal größer, mal kleiner, mal dicker, mal dünner. Damit legen wir unsre Eier in das dafür vorgesehen Loch oder Blüte. Aber stechen? Nein, das geht damit nicht. Nur bei einigen Faltenwespen, Bienen und Hummeln, die in Staaten leben und als Arbeiterinnen oder Soldaten unterwegs, da hat die Natur den Legebohrer zu einem Stechstachel umfunktioniert. Denn die brauchen ihn ja nicht zum Eierlegen, aber um das Nest zu verteidigen!“

 

„Und warum heißt du Bohrfliege?“

„Weil unsere Familie ihre Eier in Pflanzenstängeln oder Blüten hinein legt. In gewisser Weise bohren wir unsren Legestachel durch die Pflanzenhaut, die ist ja recht weich. Manche Larven von Bohrfliegenarten erzeugen an den Pflanzen sogar Gallen, das heißt sie sind in der Lage die Pflanze dazu zu bringen, zu tun, was die Larve will. Wie zum Beispiel eine Art Schutzhaus, in dem die Larve gemütlich leben kann!“

 

„Ah, da erinnere ich mich. Im letzten Jahr war da eine Bohrfliege gewesen, die hat mein Vorgänger Raupe zuerst für eine Spinne gehalten, und dann hat sie gemerkt, das waren nur die schwarzen Flecken auf einer Kirschfruchtfliege.“

„Einige Arten haben das sogar noch besser kopiert. Die brauchen nicht mal mehr ihre Flügel zu bewegen oder herum zu laufen. Denn auf den Flügeln ist eine Spinne mit Beinen in schwarz sozusagen abgedruckt. Ihr Stamm wird Weißdorn-Bohrfliege genannt.“

 

„Wenn ihr so an Fruchtpflanzen knabbert,

seid ihr dann bei den Menschen beliebt?“

„Nun ja. Das kommt auf den Stamm an. Einige werden als Schädlinge angesehen, wie die Kirschbohefliege. Andere als Nützlinge von den Menschen, weil diese dafür sorgen, dass gewisse Arten von unbeliebten Pflanzen sich nicht weiter verbreiten können.“

 

Tja, so ist das mit uns Wiesenhelden. Einige mögt Ihr Menschen, andere findet Ihr einfach nur schön, andere verachtet Ihr und schimpft sie Ungeziefer. Doch jeder einzelne ist wichtig. Denn das Gefüge Natur ist viel komplexer und größer als Euer Menschenstaat und Euer Denken!

Bis Morgen Eure Alby

Bei der Endabstimmung für 2017 im Januar 2018 wurde meine Wiesenhelden-Webseite 

auf Platz 1 gewählt! 

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!