Duftenden Wortsprache

Der Sommer war bis jetzt sehr heiß und trocken gewesen. Für einen Bläuling wie mich ideal zum Herumfliegen und Blütenbestäuben – ach, ich habe es genossen!

Dank meiner speziellen Flügelschuppen, die mich vor zu viel Sonnenstrahlung schützen, kann ich selbst an den heißesten Tagen unterwegs sein. Es ist im Grunde so ähnlich, als würdet Ihr Menschenkinder eine dicke Schicht Sonnencreme auf der Haut tragen, so dass Ihr keinen Sonnenbrand bekommen könnt.

Gewöhnliche Wespe
Gewöhnliche Wespe

Für viele andere Wiesenhelden war es dagegen ein recht schwerer Sommer. Besonders, als die Temperaturen so richtig in die Höhe geschossen waren. Vor allem bei den Gewöhnlichen Wespen gab es viele Opfer.

 

Anders als der Bienenstaat, der bei den Imkern zuhause ist, können sie nicht mit ihrem Körper die Temperatur auf einem bestimmten Bereich halten. Sie brauchen dazu Wasser von Außen, dass die Wespen einfliegen müssen. Und die müssen dann oft hin und her fliegen, denn sie können ja nicht viel Wasser transportieren. Stellt es Euch etwa so vor, als müsstet Ihr aus einer Wasserstelle mit den Händen Wasser schöpfen und diesen so 100 bis 1000 Meter nachhause tragen, um einen Eimer zu füllen. Wie oft Ihr wohl da unterwegs währet und wieviele Kilometer das dann wären? Da kämen bestimmt einige zusammen.

 

So sind dann etliche Wespen vor Erschöpfung dann zusammen gebrochen und gestorben. Dazu kommt, dass wer Wasser einsammelt, kein Futter für den Nachwuchs sammeln kann. Somit wachsen die Kleinen langsamer oder sterben ebenfalls… daher verstehe ich Euch Menschen nicht, wenn Ihr immer wieder von Wespenplagen berichtet. Auch diesen Sommer sind mir solche Berichte von Euch sozusagen wie Ihr es nennt „zu Ohren gekommen“.

 

Und wenn Ihr glaubt: o toll, endlich ein paar Wespen weniger, dann solltet Ihr Euch folgendes vor Augen halten. Wespen sind zum einen wichtige Blütenbesäuber. Sie selbst mögen und fressen Nektar. Nur ihre Kinder brauchen Proteine – Fleisch sozusagen. Und dazu fangen die Wespen viele Insekten und bringen diese ins Nest. Darunter sind Raupen und Fliegen, aber auch viele Mücken – insbesondere die Stechmücken, die Ihr Menschen nicht mögt!

 

Oh, davon merkt Ihr gar nichts? Gibt viel zu viele Stechmücken?

Tja, dann liegt es wohl daran, dass die Rote Wespe schon seit einigen Jahren gefährdet ist. In manchen Gegenden gibt es sie schon gar nicht mehr. Und da sie nicht mehr da sind, können sie auch keine Stechmücken jagen.

Oder, Ihr habt zu viele Raupen im Garten? Sie werden zur Plage?

Tja, auch hier fehlen die Wespen! So lange sie ihre Arbeit getan haben, habt Ihr nichts bemerkt, erst dann wenn sie nicht mehr da sind, wird gejammert – oje, alles wird weg gefressen!

 

Woher ich das weiß? Weil wir 4 Wiesenhelden-Reporter diese Tierchen schon des Öfteren interviewt haben und sie uns so einiges zu erzählen hatten.

 

Vielleicht fragt Ihr mich jetzt: Und warum gehen die dann an unser Essen und stechen uns?

 

Auch das kann ich Euch beantworten.

 

Wenn ein Wespenstaat in die Endphase kommt, und viele neue Jungköniginnen für das nächste Jahr schon großgezogen wurden, sind die Tierchen nicht mehr ganz so konzentriert bei der Arbeit. Man könnte sagen, die Duftbefehle der alten Königin sind nicht mehr stark – sie hat ja im Laufe der letzten Monate einiges geleistet, wie: neuen Staat gründen, Grundnest bauen und hunderte von Eiern gelegt - Da lassen irgendwann auch mal die Kräfte nach.  

 Das Nest der Sächsischen Wespe
Das Nest der Sächsischen Wespe


Vielleicht kennt Ihr Menschenkinder das auch. Am Abend, wenn Ihr Stundenlang Draußen herum gerannt seid, dann ist Eure Stimme gewiss ebenfalls leiser geworden, weil Ihr müde seid.

 

Und ohne diesen „lauten“ Duft kann es sein, dass die Arbeiter-Wespen dann abgelenkt werden von ihrer Arbeit, sobald sie das Menschenfutter riechen. Vieles von Eurem Futter riecht auch extrem stark und lockt die Tiere an. Genau genommen ruft der Duft diese Wespen zu sich. Und der Zucker und die Zusatzstoffe darin sorgen dafür, dass eine Wespe hippliger und nervöser wird. So vergisst sie, was sie eigentlich tun sollte und will nur noch bei dem so wahnsinnig stark duftenden Menschenfutter bleiben.

 

Ich glaube, dass habt Ihr Menschen bestimmt ebenfalls schon erlebt, oder?

Da gibt es so viele lockende Dinge, die Ihr im Netz seht, und die Ihr gerne tun oder haben wollt, und wenn Ihr dann viele Süßigkeiten genascht habt, wie seid Ihr dann so drauf? Richtig! Unruhig und teils irgendwie aggressiver, kampfbereiter.

 

Außerdem: Nur eine Handvoll Wespenarten lassen sich verführen von Eurem Futter naschen zu wollen. Dagegen leben hunderte Wespenarten allein in Deutschland und die lässt Euer Fressen kalt.

 

Ach ja, und nicht zu vergessen! Wie gesagt, wir Insekten, wozu ja auch die Wespen gehören, unterhalten uns meist über Duftstoffe. Und bei einem Insekt, das in einer Gemeinschaft lebt, also in einem Staat, gibt es nur ein WIR, das ICH kennen sie gar nicht. Da gilt ein Duft als ein Ruf, dem zu folgen ist.

 

Und wenn sie zum Beispiel den Duft „Angst“ riechen, glauben sie ein Familienmitglied ist in Gefahr und schickt einen Hilferuf. Also gehen sie in Angriffsposition und stechen dann oftmals auch zu. Dass da nicht eine Wespe sondern ein Mensch diesen Duft geschickt hat, können sich die Tierchen gar nicht vorstellen.

Es ist fast so, als rufe Eure Mutter Euch während des Spieles zu. Achtung Gefahr! Ihr müsst Euch verteidigen: Beißt und tretet mit den Füßen so fest ihr könnt.

 

Wenn Ihr also nicht gestochen werden wollt, wenn gerade eine Wespe Euch nach Raupen oder anderem Futter absucht, dann lernt Eure Angst zu vergessen! Oder zieht Euch langsam zurück ohne zu schlagen oder zu Pusten. Denn das Kohlendioxid, das Ihr Menschen über Eure Lungen ausatmet, können Wespen riechen und das löst bei denen im Körper die Angst aus, womöglich zu ersticken!

 

Also, denkt daran in nächster Zeit,

wenn Ihr mal wieder eine Wespe sehen solltet!

 

Düfte – und Ihr Menschen sendet Eure Gefühle ja per Geruchsstoffen in die Welt hinaus, sind im Grunde Worte, eine Sprache – die so manches Tierchen hören und verstehen kann. Und darauf hin reagiert, als hätte man ihm einen Befehl gegeben!

 

Bis Morgen dann, ich werde heute noch ein wenig in meinem Gebüsch bleiben und die kühlende Luft der Regentropfen genießen, die davon erzählt wie wie viele Pflanzen nun wieder Kräfte sammeln können.  

Euer Linus von Lieblich

„Ich bin übrigens eine Feldwespe!

Gut zu erkennen, an meinen orangfarbenen Fühlern und Beinen.

Mein Stamm reagiert nicht auf Euer Menschenfutter. Unsere Körper sind nicht mal in der Lage diese Art von Fressen riechen zu können.

 

Zum Glück, auf diese Weise können unsere Arbeiterinnen nicht in Versuchung geführt werden.“

Bei der Endabstimmung für 2017 im Januar 2018 wurde meine Wiesenhelden-Webseite 

auf Platz 1 gewählt! 

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!