Carpe Noctem – nutze die Nacht

Viele Weichtiere wie Schnecken und Regenwürmer – ich gehöre ja zur letzteren Sorte - sind meist nachts oder in der Dämmerung unterwegs. Auch einige Insektenarten lieben ebenfalls die Dunkelheit. Die Nachtfalter kennt Ihr bestimmt, viele von ihnen bestäuben und besuchen Blüten, die in der Nacht blühen.

Etliche Pflanzen machen allerdings in der Nacht so etwas wie ein Verdauungsschläfchen. Bei Tag atmen sie Kohlendioxid ein – etwas, was Ihr Menschen beim Ausatmen an die Luft abgebt. Zusammen mit dem Sonnenlicht stellen sie dann daraus Zucker und Stärke her. Tja, Ihr Menschen nehmt diese Mahlzeiten direkt über Euren Mund auf. Das geht dann in den Magen und den Darm und wird dort verdaut mit Hilfe des Sauerstoffes sozusagen „verbrannt“ und zu den Muskeln und dem Gehirn transportiert, so dass ihr Euch bewegen und denken könnt.

Bei den Pflanzen muss etwas ähnliches geschehen, damit sie wachsen und blühen können.

Dafür brauchen sie eine Ruhephase, in der sie mit Hilfe von Sauerstoff-Einatmung ebenfalls ihre Nahrung „verbrennen“ können. 

Wiesenklee senkt in der Nacht sein Blätter
Wiesenklee senkt in der Nacht sein Blätter

Diese Ruhephase der Atmung ist nachts. Viele Pflanzen wie der Wiesenklee zum Beispiel, schließen dabei ihre Blüten beziehungsweise senken ihre Blätter. Denn der Wassertransport von den Wurzeln zu den Blättern wird bei diesen Pflanzenarten unterbrochen. Das ist so ähnlich wie mit einem Gartenschlauch bei Euch Menschen. Solange das Wasser durchläuft, streckt er sich nach oben und ist prall gefüllt. Wenn Ihr dann den Wasserhahn zudreht, senkt sich der Schlauch schlapp in Richtung Erde.

Bei Bäumen wirkt sich das sogar noch extremer aus. Ein etwa fünf Meter hoher Baum ist nachts um zehn Zentimeter kleiner und seine Äste Äste hängen ebenfalls schlapper herab.

Eine Pflanze, die nicht in ihre Ruhephase kommen kann, würde sozusagen irgendwann verhungern, trotz gut gefüllter Vorratsspeicher, wenn sie nicht bei Dunkelheit Sauerstoff statt Kohlendioxid einatmen würde.

Die Gewöhnliche Nachtkerze öffnet ihr Blüten sobald die Sonne untergeht
Die Gewöhnliche Nachtkerze öffnet ihr Blüten sobald die Sonne untergeht

Die Gewöhnliche Nachtkerze gehört zu den Nachtblühern. Sobald die Dämmerung beginnt, könnt Ihr Menschen beobachten wie sich ihre geschlossenen Blüten sich langsam öffnen. Im Laufe der Nacht beginnt sie dann immer intensiver zu duften – denn auf diese Weise ruft sie ihre Bestäuber.

Nachtblüher duften daher auch stärker als Tagblüher, sie rufen also viel lauter als die anderen Pflanzen.

 

Ihr könntet das mal nachspielen: Einer spielt das Fluginsekt auf der Suche nach Nektar, die anderen sind mal Nachtblüher oder Tagblüher – rufen also laut wie Marktschreier bzw. Flüstern nur leise. Dabei gilt es nur auf die Ohren zu hören und die Augen mit einer Binde zu verbinden.

Für welche Blüte entscheidet sich dann das Fluginsekt wohl?

 

Ich wünsche Euch ein geruhsames Wochenende 

bis nächste Woche

Euer Balduin

Bei der Endabstimmung für 2017 im Januar 2018 wurde meine Wiesenhelden-Webseite 

auf Platz 1 gewählt! 

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

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Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

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