Ein fast fataler Irrtum!

Heute Morgen hab ich emsig im Boden herum gewüllt, direkt neben einem alten Holzstamm, der von Pilzen schon gut zersetzt worden ist.

Sie haben den Stoff Lignin, der einem Baum erst diese Festigkeit gibt, um so stark und groß der Sonne entgegen zu wachsen - so gut wie vollkommen aufgefressen. Nun ist es für andere Insekten leichter, den Rest des morschen Baumes in Erde umzuwandeln

Oh, wen sich ich denn da? Eine Art Raupe?

Sie ist recht klein, vielleicht gerade mal ein Viertel von meiner Größe. Ich bin knapp acht Zentimeter lang, dieser Wiesenheld vielleicht so zwei Zentimeter. Und er trägt so was wie Streifen… hm, mein Herz schlägt Alarm?

Warum denn das? Ich kann gar keinen Laufkäfer spüren, der hier herum rennt? Merkwürdig. Andererseits, mein Körperalarm pulst nicht so laut, als wenn da einer dieser Jäger unterwegs ist… ich sollte dennoch vorsichtig sein!

Oho, da ist noch ein Tierchen. Es ist klein, könnte eine Larve sein. Aber von ihm geht nichts gefährliches aus. Mal weiter nachspüren. Was will mir meine Regenwurmhaut da noch alles erzählen, über die Welt, die mich umgibt.

Die gestreifte Raupe setzt sich langsam in Bewegung. Ich spüre, ich spüre… sie ist angespannt – sie, ja sie ist ein Jäger! Und sie bewegt sich direkt auf die Larve zu und, uj – der Jäger bekommt sie zu fassen und beginnt emsig an ihr zu knabbern.

Also deshalb hat mein Körper Alarm geschlagen. Nur nicht so laut. Denn noch ist dieser Jäger wohl noch etwas zu klein, um mir richtig gefährlich zu werden.

Ich bin ja ein Wiesenhelden-Reporter und sollte die Gelegenheit nützen. Wann sonst könnte ich einen solchen Jäger für Euch Menschen mal interviewen.

 

„Ja, ich bin ein Jäger. Und sobald ich in mein nächstes Larvenstadium wechsele, steht ein so saftiger Regenwurm wie du auch auf meinem Speiseplan. Denn ich bin ein Laufkäfer-Kind. Später in zwei, drei Jahren, wenn ich einmal erwachsen bin, hättest du gar keine Chance mir zu entkommen, dann wärst du verloren. Ob Wiesenhelden-Reporter oder nicht. Ach, ja und Schnecken hab ich natürlich ebenfalls zum Fressen gern. Vor allem Nacktschnecken sind lecker! Genauso wie deren Eier und Drahtwürmer! - Alles Tierchen, die der Mensch nicht gerne in seinem Garten hat.“

 

„Ich hab schon lange nichts mehr von einem Laufkäfer gespürt.“

„Das liegt wohl daran, dass wir immer weniger werden. Die Gärten sind immer aufgeräumter, wenn sie überhaupt noch Gärten sind. Es fehlt an richtigen Lebensräumen. Daher sind viele meiner Art stark gefährdet.“

 

„Wie sähe denn ein idealer Lebensraum aus?“

„Es sollte viele Unterschlupfmöglichkeiten geben, die dunkel und feucht sind. Wildstrauchhecken sind toll, Laub oder Totholzhaufen ebenfalls. Trockensteinmauern und Steinhaufen sowieso, oder wie hier eben ein Stück morsches Totholz. Im Grunde weniger saubere Gärten, die nur optisch schön sind und Insektengift benötigen, um deren Pflanzen vor Frassfeinden zu schützen.“

 

„Hast du als Jäger etwas von einem anderen Jäger zu fürchten?“

„Also Vögel haben uns zum Fressen gern, vor allem wenn wir noch Larven sind. Aber wir können uns wehren! Dazu scheiden wir ein Verdauungs-Stoff aus Mund und Hinterteil, das stinkt und kann deren Zunge durchaus auch mal leicht verätzen.

Denn sind wir nicht wirklich ganz sicher vor Fressfeinden. Am besten ist das Verstecken, daher lebe ich ja hier unter der Rinde dieses morschen Baumes. Denn einige Tierchen packen uns und wirbeln uns so oft hin und her, damit der Stinkstoff sozusagen aus uns heraus gewirbelt wird und bis wir keinen weiteren Stinkstoff mehr nach produzieren können.“

 

So… aber jetzt hab ich meinem Herz genug Spannung gegeben. Dieses aufregende Interview hat mir schon einiges abverlangt.

Ich weiß nun etwas mehr über die Laufkäfer und verdrück mich nun lieber. Wer weiß, vielleicht hat diese Larve ja noch einen älteren Bruder und sie trabeln nicht so auffällig wie die ausgewachsenen Käfer. Sicher ist sicher, ich will ja schließlich noch mehr Tierchen Euch Menschenkindern vorstellen.

Und wenn ihr diesen Laufkäfern helfen wollt, dann kümmert Euch um ein paar schöne, feuchte Ecken voller Chaos in Eurem Garten. Mit altem Laub, Holz und Steinchen.

Bis Morgen dann

Euer Balduin

Bei der Endabstimmung für 2017 im Januar 2018 wurde meine Wiesenhelden-Webseite 

auf Platz 1 gewählt! 

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!