Ein großer Palast aus reiner Seide


Wenn man sich wie ich als Regenwurm so durch die Erde und welkes Laubt wühlt, kann man allerhand Ungewöhnliches finden.

Viele Wiesenhelden, vor allem die Kinder von ihnen, haben hier ihr erstes Zuhause.

Und ob Ihr es glaubt oder nicht, viele von ihnen können Spinnfäden erzeugen, obwohl sie keine Spinnen sind.

Oha… da ist aber eine lange Spur von dicht gewobenen Spinnfäden, mal nachspüren wer diese wohl gewebt hat.

Ui, was für ein Glück! Da steckt ja ein Achtbeiner drin – obwohl, im Netz, ob das wohl so gut ist? Die meisten Spinnen verpacken ihre Beute ja in ihren Netzen, damit sie sich nicht mehr bewegen können und sozusagen länger im Vorratsspeicher gelagert werden können.

Ich werde einfach mal vorsichtig anfragen, falls die Spinne noch leben sollte, kann sie mir vielleicht ja erzählen, wer sie gefangen hat. Muss schon ein sehr großer Jäger sein, denn diese Spinne ist gewiss so knapp 10 Millimeter lang.

 

„Danke für dein Anteilnahme, aber ich wurde nicht gefangen.

Ich bin gerade auf dem Rückweg zu meiner Erdkammer. Und da ich eine starke Bewegung gespürt hatte, bin ich lieber stehen geblieben.

Denn manchmal graben auch Vögel und Nagetiere hier herum

und dann wird, was zappelt gleich gefressen.“

 

„Aber wieso bist du dann von einem Netz umhüllt?“

„Dieser Teil gehört zu meinem Fangschlauch. Er setzt direkt über

meinem Erdloch an und dient tatsächlich dazu Beute einzufangen.

Und diese trage ich gerade in meine Wohnung zurück.

Sie ist zwar nur klein, aber immerhin!“

 

„Wie lang ist denn dieser Schlauch?“

„So zwischen 13 und 17 Zentimeter,

ganz genau kann ichs dir nicht sagen.“

„Wow. Das sind ja 130 bis 170 Millimeter. Ganz schön groß!“

„Das ist nichts gegen die Größe meines Wohnschlauches.

Der dürfte so 20 oder 30 Zentimeter haben.

Vielleicht sogar über 40, wenn ich es recht bedenke.“

„Du lebst ja geradezu in einem Palast. Echt der Wahnsinn!“

„Nun ja, hat auch einiges an Arbeit bereitet. Zwar habe ich die Erdhöhlen verlassen aufgefunden und genutzt, aber mit Seide hab ich alles austapeziert. Daher nennen mich die Menschen auch Tapezierspinne.“

„Der Name passt. Wie alt bist du denn?“

„Ich bin erst 3 Jahre alt. Im nächsten Jahr bin ich

dann endlich Erwachsen.“

 

„Die meisten Insekten werden nur einige Wochen oder Monate alt. Einige Spinnenarten ein bis drei Jahre. Wie alt kannst du denn werden?“

„Nun, da ich ein Weibchen bin, könnte ich durchaus acht Jahr alt werden. Die Männchen dagegen sterben nach der Paarung. Aber wir Weibchen versorgen dann den Nachwuchs. Manche Stämme machen das sogar in Gemeinschaft. Dann finden sich einige Weibchen zusammen und arbeiten sozusagen Hand in Hand. “

„Ähm, ich hab gehört. Spinnen sollen ihre Männer fressen.“

„Einige Arten machen das, das stimmt schon. Aber wir leben mit unseren Männern eine Weile zusammen, bevor wie ans Kinderkriegen denken.

Und da ein Männchen aus unserem Stamm im Grunde nur so was wie Samenpaket auf Beinen ist, damit unsere Art überleben kann,

hat die Natur ihnen nur so viel Energie gegeben,

dass sie nach diesem Kraftakt sterben.“

 

Ja, in diesem Herbst werden noch einige Insekten ebenfalls sterben. Auch bei ihnen gilt dieses System: Es geht darum einen Partner zu finden und Kinder zu zeugen, und dann ist es mit der Kraft vorbei… nur wenige von ihnen überwintern und sorgen dann im nächsten Jahr für Nachwuchs. Aber das überwintern kostet ja ebenfalls viel Kraft und man braucht gute Reserven im Körper, um dann nicht im Schlaf zu verhungern.

Daher werde ich erst wieder im nächsten Jahr für Euch Menschenkinder als Reporter unterwegs sein. Die nächsten Wochen werde ich mich nur ums Fressen kümmern, um dick und stark zu werden, um der Kälte zu trotzen.

Alby, die Raupe, wird nächste Woche berichten und die letzten drei Wochen ist Marina, die Schnecke dran, bevor dann auch diese beiden sich für den Winterschlaf vorbereiten.

Dann bis im nächsten Jahr Euer Balduin Rotschleif! 

 

Bei der Endabstimmung für 2017 im Januar 2018 wurde meine Wiesenhelden-Webseite 

auf Platz 1 gewählt! 

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!