Gefangen wie Gulliver in Lilliput


Wie gut, dass ich immer in der Nähe von Wasser herum krieche. Und wie Ihr ja wisst, brauchen Schnecken nun mal ein feuchtes Klima, aber bei dem wenigen Regen diesen Sommer bräuchten wohl noch mehr dieses wohltuende Nass.

Nur einige Meter weiter leiden die Pflanzen schon sehr an der Trockenheit. Huch… was war denn das?

 

Zick-Zack, hin und her, da spannt ja einer ein hauchdünnes Seil über mein Hinterteil, das unter meinem Häuschen hervor schaut. Das geht ja blitzschnell, selbst wenn ich gute Augen hätte, könnte ich nicht mitverfolgen wo gerade der Ansatz des Fadens gerade lang geht.

 

Ui… da will mich wohl jemand am Untergrund festbinden. Wenn ich ein Insekt wäre, hätte ich schlechte Karten. Dann läge ich jetzt gefesselt auf dem Boden und könnte mich nicht mehr bewegen. Aber statt dessen bin ich eher wie ein Riese, den ein kleines Lebewesen versucht einzufangen… erinnert mich an eine Geschichte aus Eurem Menschenreich. Gullivers Reisen. Da haben einmal versucht Minimenschen diesen Mann versucht fest zu binden – allerdings ebenfalls vergebens.

 

Ein leises Rascheln, kurzes Trappeln…

da springt doch jemand auf mein Hinterteil zu.

 

„So, hab ich dich!

Oh, Nein! Das ist ja keine kleine Raupe,

nur ne Schnecke!“

„Ja, und meine Schleimfäden sind um einiges dicker und fester

als deine Spinnfäden. Und der Schleim auf meinem Körper verhindert

auch, dass du mich einfangen kannst.“

„Ich lauere nun schon so lange auf Beute! Irgendwie sind dieses Jahr viel zu wenig Insekten und Larven unterwegs… und ich hab solchen Hunger.“

„Tja, da hab ich es schon besser. Ich mag verrottende Pflanzenteile

und davon gibt es meist immer genügend. Ich bin übrigens eine

dieser Wiesenhelden-Reporter.“

„Ah, von euch hab ich schon gehört, ihr interviewt die Tierchen hier und wollt wissen zu welchem Stamm sie gehören. Wie Du siehst bin ich ein Achtbein und gehöre zu den Speispinnen.“

 

„Das passt, du warst echt gut wie du da dein Spinnenseil hin und her

gespuckt hast. Aber wie hast du mich erspüren können?

Ich bin doch auf meinem Schleim recht leise unterwegs. Bei meinen Bewegungen gibt es eigentlich keine Erschütterungen.“

„Mein Stamm hat besondere Haare auf dem Körper,

genauer auf den vorderen Beinpaaren. Damit erspüre und

höre ich jede noch so kleine Erschütterung.“

 

„Die meisten Spinnen haben Gift in einer Drüse,

um ihre Beute zu töten. Wie stark ist denn dein Gift so?“

„Die Spinnfäden stammen aus der ehemaligen Giftdrüse.

Mutter Natur hat diese umgewandelt, damit ich meiner Beute auflauern

und sie aus der Distanz festnageln kann. Was meist sehr effektiv ist! Dennoch sind die Fäden auf der Oberfläche mit einer Substanz umhüllt,

die die Beute normalerweise betäuben würde.

Aber deine Schleimschicht schützt dich ja dagegen.“

 

„Unterscheidet sich dein Stamm auch auf eine weitere

Art von den anderen Spinnen?“

„Viele Spinnen besitzen vier Augenpaare, also haben acht Augen. Mein Stamm hat nur drei Augenpaare, aber es gibt auch Spinnenstämme in Höhlen, die sehen so schlecht wie du.“

„Dann siehst du wohl schlechter als zum Beispiel die Springspinnen, die ihrer Beute auflauern und dann wie ein Tiger auf sie springen.“

„Klar, für diese Jagd-Technik ist das Sehen wichtiger, als das Hören.

Denn sie müssen ja auch im Kopf sozusagen errechnen, wie das Tierchen sich weiter bewegen könnte, in der Zeit, da sie sich vom Boden in die Luft erheben. Durch mein schnelles Netzschleudern in die Richtung,

aus der ich die Beute erspüre, müssen meine Augen nicht so gut sehen können. Aber nun werde ich wieder weiter krabbeln und mich nach einer passenden Beute umhören und dabei langsam die Speikammer

in meinem Körper wieder auffüllen.“

 

Tja, so eine Schleimschicht hat viele Vorteile gegenüber einer Rüstung wie sie im Grunde die Insekten auf ihrem Körper tragen. Dafür kann ich allerdings nicht lange in der Sonne herum kriechen und brauche eben viel mehr Wasser… ach ja, Wasser – hoffentlich regnet es bald.

Bis Morgen

Eure Marina 

Bei der Endabstimmung für 2017 im Januar 2018 wurde meine Wiesenhelden-Webseite 

auf Platz 1 gewählt! 

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!