Mutierter Einwanderer

 

Hm… da liegt aber ein aromatischer Duft in der Luft. Zwar nicht das, was meinen Hunger anregen würde, dennoch sehr interessant und irgendwie fremdartig. Ich glaube diesen Geruch habe ich noch nie gerochen… das ist doch mal was Neues. Heute werde ich wohl diese Pflanze interviewen.

 

„Stimmt unser Stamm kommt aus Übersee. Genauer aus Nordamerika. Aber hier gefällt es uns auch sehr gut. Die Menschen helfen uns sogar bei der Verbreitung – nur kann ich nicht verstehen, dass sie uns dann nicht mögen. Wenn sie auf uns im Garten antreffen, wird meine Pflanzenfamilie einfach heraus gerissen, manchmal sogar verbrannt.“

„Ui, das ist wirklich sehr seltsam. Ich hab aber schon davon gehört, dass eine Pflanze sehr starke Allergien auslösen kann. Sie ist nicht beliebt, denn sie macht die Zweibeiner krank. Ich glaube die Pflanze heißt Ambrosia.“

 

„Äh… ganz genauso heißt meine Familie. Also daher diese merkwürdige Reaktion. Dabei wollen wir doch nur unsere Pollen verteilen, und damit die Befruchtung auch wirklich klappt, erzeugen wir sehr, sehr viel

Blütenstaub. Denn wir haben nur eine sehr kurze Zeit,

für die Bestäubung. Morgens geht es los und dann muss alles innerhalb weniger Stunden abgeschlossen sein. So ist das bei Pflanzen,

die keine Insekten zur Fortpflanzung brauchen.“

„Ich glaube die Maschinen der Menschen sammeln eure Samen nur zufällig ein, da ihr zusammen mit anderen, die sie extra angebaut haben, auf dem Feld heranwächst.“

„Das könnte durchaus sein. Aber worum gehen dann diese Menschen nicht sorgsamer mit der Ernte um? Achtsam schauen, was will ich haben und was nicht. Und nicht unseren Samen erst Mal Hoffnung geben und sie dann als Pflanze einfach abtöten.“

 

„Wenn die Menschen seit einigen Jahren erst Probleme mit euren Pollen haben, dann müsst ihr als Einwanderer ja erst seit kurzem hier angekommen sein."

 

„Nein, meine Vorfahren sind bereits Ende des 19. Jahrhunderts hier angekommen. Allerdings war es für sie recht schwer hier zurecht zu kommen. Nur wenige Samen, die warm überwintern konnten, gelang es dann im Frühling zu keimen. Dies hat sich aber vor knapp zwanzig Jahren geändert. Denn da ist es den ersten Ambrosiapflanzen gelungen eine Mutation hervor zu bringen. Sie haben sich angepasst und seitdem können die Samenkörner auch Frost vertragen. Sie brauchen sogar den Frost, um im nächsten Jahr noch besser keimen zu können.“

 

„Da fällt mir ein. Ich hab von einigen Pflanzen gehört, dass diese extremen Abgase von den Verbrennungen in Heizungen und Autos, die Reaktion der Pflanzen bezüglich der Pollen verändern können. Birken sollen in solchen Industriegebieten sogar mehr als die vierfache Menge an Pollen erzeugen – was ebenfalls für Allergiker unter den Zweibeiner schlecht ist.“

„Das könnte natürlich mit ein Grund sein, weshalb diese Menschen

auf unser Pollen so allergisch reagieren. Vielleicht sollten sie

dann mal dafür sorgen, dass diese Umweltverschmutzung aufhört. Weniger Erdgas, Erdöl oder Holz verbrennen… nicht ständig

immer nur mit dem Auto herum fahren. An einem Ort zu sein,

finde ich als Pflanze, zumindest sehr reizvoll.“

 

Tja, liebe Menschenkinder, da muss ich Ambrosia recht geben. Es ist wichtig achtsam mit der Natur umzugehen, hinzusehen und genau hinzuschauen. Außerdem gibt es gewiss noch andere Möglichkeiten um Wärme herzustellen, es muss doch nicht immer ein Motor oder ein Ofen sein. Außerdem, was macht Ihr eigentlich mit dem vielen Strom? Muss der Verbrauch so groß sein?

Bis Morgen Eure Marina

 

Diese Pflanze trägt übrigens Weibliche und Männliche Blüten. Hier auf den Fotos könnt Ihr die männlichen sehen

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Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

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auch mit  aufmerksamerem Blick durch

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