Abstinken – die beste Art sich zu verteidigen

Langsam nähert sich die kühle Jahreszeit mit mächtigen Schritten. Und endlich gibt es etwas Regen. Ein angenehmer leichter Nieselregen fällt vom Himmel herab und macht mir das Herumschleimern als Schnecke leichter. Endlich kann ich mich wieder mehr auf der Wiese und am Waldrand bewegen.

Die letzten Tage hatte ich mich immer nah am Wasser aufgehalten. Denn als Schnecke, auch wenn ich ein Häuschen auf dem Rücken trage, brauche ich viel Feuchtigkeit. Meine Haut reagiert auf Trockenheit sehr empfindlich, ganz anders als bei den Insekten – von denen ich hoffe einige Exemplare zu finden. Hm, mal tief diese feuchte Luft über meine Haut und meine Fühler einatmen… wo finde ich die richtige Spur, um für Euch Menschen einen tollen Wiesenhelden zu finden… ah, ja… ich glaube hier geht’s lang.

 

Du wirkst du braun und scheckig wie die Blätter, die hier überall herum liegen. Hast du dich an dieses Herbstwetter entsprechend angepasst?“

„Es gibt zwar einige Wiesenhelden, die das tun, vor allem bei uns Baumwanzen. Aber ich gehöre nicht dazu. Da wir braun gesprenkelt sind, brauchen wir das nicht. Im Sommer leben wir an den Bäumen und ansonsten unten im Laub. Denn auch wenn wir zu den Saftsaugern gehören, die gerne Pflanzensaft trinken, so suchen wir auch mal nach toten Insektentierchen und helfe dabei ihre Körper zu entsorgen.“

 

„Ah, eine Baumwanze. Wenn ich mich recht erinnere gehören die

Grünen Stinkwanzen auch zu dieser Familie. Kann dein Stamm

auch so abstinken und damit Feinde verscheuchen?“

„Klaro, wie jede Wanze. Das gehört zu unserer Überlebensstrategie. Abstinken ist die beste Art der Verteidigung. Die Familie der Baumwanzen ist allerdings etwas plumper im Körperbau als andere Wanzenarten. Der Körper wirkt mehr wie ein Schild, was uns noch besser schützt.“

 

„Sind alle Baumwanzen Safttrinker oder gibt es nicht doch einige Jäger wie bei den Weichwanzenstämmen?“

„Ja, doch stimmt… Stiretrus anchorago – die Ankerbaumwanze,

ist ein echt guter Käferlarvenjäger. Die Amerikanische Kiefernwanze hat mal erzählt, dass es in ihrer Heimat eine solche jagende Baumwanze gibt. Es sieht so aus, als hätte sie auf ihrem Rückenschild einen Anker aufgemalt. Die Grundfarbe ist Schwarz. Einige sind Rot,

andere Grün oder Weiß bis Purpurfarben.“

 

„Du gehörst zwar zu den Baumwanzen,

aber dein Stamm hat doch gewiss einen Namen?!“

„Ach ja, den hab ich noch gar nicht erwähnt. Klaro.

Ich bin eine Graue Gartenwanze.“

 

„Und wie alle Wanzenarten bist du auch als Nymphe heran gewachsen – also als Kind hast du recht ähnlich ausgesehen wie jetzt und um erwachsen zu werden brauchtest du dich nicht zu verpuppen, stimmt das?“

„Ja, das stimmt. Als Kleinkind war ich mehr von der Form wie ein brauner Käfer, und als Jugendlicher so richtig schön tiefbraun wie die Rinde des Baumes… also gut getarnt.“

 

„Bist du ein guter Flieger?“

„Nein, nicht wirklich. Die meisten Baumwanzen können zwar gut fliegen, aber wir Gartenwanze nicht. Herumkrabbeln mögen wir viel lieber, aber wenn es sein muss, erheben wir uns auch in die Luft.“

 

Bis Morgen 

Eure Marina

 

 

Unter diesem Link hier findet Ihr eine PDF mit verschiedenen Wanzenarten: https://snu.rlp.de/fileadmin/4_Mediathek/PDF/Poster/Begleittext_Wanzen.pdf

Bei der Endabstimmung für 2017 im Januar 2018 wurde meine Wiesenhelden-Webseite 

auf Platz 1 gewählt! 

Vielen Dank!

biologische Artenvielfalt im Wiesenreich

Gute Freunde helfen sich gegenseitig!

 

Getreu nach dem Motto:

Was ich kenne, mit was ich mich identifizieren kann, das beachte und schütze ich – so, als wäre es ein guter Freund.

Wer gelernt hat,  besser mit sich selbst

und seinen Gefühlen umzugehen, geht

auch mit  aufmerksamerem Blick durch

unsere wunderschöne Welt!